Kaum hat man seinem Umfeld mitgeteilt, dass man sich ein neues Rad kaufen will – in meinem Fall ein Trekkingrad – wird man überhäuft mit gutgemeinten Ratschlägen.
Ehemann:  „Was, das Rad willst du dir kaufen? Viel zu teuer! Für das Geld bekommst du ja schon ein Rad mit Rohloff Nabenschaltung. Und überhaupt, das Rad hat ja nicht mal durchgängige Komponenten!“
Bruder: „Nein, für das Geld würde ich das auch nicht kaufen und ein Rad ohne Federgabel und Scheibenbremse! Das geht sowieso nicht! Das gehört doch heute zur Grundausstattung.“
Ehemann: „Wozu eine Scheibenbremse, die ist doch viel schwerer als eine Felgenbremse. Und um ab und zu mal vom Bordstein zu hüpfen, braucht sie bestimmt keine Federgabel“.
Bruder: „Und die Nabenschaltung wiegt etwa nichts? Von wegen, die ist viel schwerer als eine Kettenschaltung und bietet noch dazu viel weniger Gänge, vom Preis ganz zu schweigen.“
Derartig zugetextet mit Details ist man im Grunde nicht wirklich schlauer, sondern im Gegenteil eher frustriert und verunsichert. Nach dem Motto „selbst ist die Frau“ habe ich mich also mittels Herrn Google schlau gemacht, und mich zunächst über hilfreiche Websites wie der des  Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e.V. und der Stiftung Warentest einen Überblick verschafft:  Wo und wie will ich mein Rad hauptsächlich einsetzen? Wie viel will ich ausgeben? Was ist mir wichtig? Was ist mir weniger wichtig? Wo kaufe ich? Wie teste ich? Im Grunde ist die Entscheidungsfindung wie bei einem Flowchart. Man hangelt sich von einer JA/NEIN Frage zur nächsten und findet so heraus was man unbedingt will und worauf man notfalls auch verzichten kann.

Der Auslöser für die Kaufentscheidung war nicht banal. Schon zweimal war mir morgens im Dunkeln auf dem Weg zur Arbeit urplötzlich das Licht ausgegangen, und das an Stellen, an denen man das gar nicht gebrauchen kann: Mitten auf der Landstraße und im Wald. Das Gefühl, wenn urplötzlich die Fahrradlampe den Geist aufgibt und man in vollkommener Dunkelheit bei mehr als 40 km/h die Landstraße herunter saust, wünsche ich niemandem. Gott sei Dank hatte ich jedes Mal meine Stirnlampe eingepackt, dass ich wenigstens die Fahrt fortsetzen konnte. Das Risiko, dass das den lieben langen Winter über noch häufiger passieren könnte, wollte ich nicht eingehen. Ich hätte mir natürlich auch nur eine neue Lampe kaufen können, aber ein neues Rad mit einer kompletten Beleuchtungsanlage mit Nabendynamo, Standlicht und allem Pipapo ist mir schon lieber.
Da ich eher sportlich unterwegs bin und nicht gerade viel auf die Waage bringe, war für mich auch das Gewicht des Trekkingrades von großer Bedeutung. Damit konnte ich schon mal ein paar Komponenten ausschließen. Doch wie gut muss die einzelne Komponente sein? Reicht mir LX, brauche ich XT oder sogar XTR? Müssen die Bremsen, die Schaltung, die Nabe, etc. mit gleichwertigen Komponenten ausgerüstet sein (alles LX bzw. alles XT oder XTR) oder ist auch ein Mix von LX und XT und XTR Komponenten zu empfehlen?  Wie eine Hydra kamen zwei neue Fragen auf, hatte ich eine für mich beantwortet.

Ich habe mich entschieden für ein Staiger Oregon Trekkingrad (Herrenrad). Es ist nicht so leicht, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte, hat dafür aber eine sehr gute Beleuchtungsanlage und durchgehende Komponenten. Das Leben ist ein Kompromiss. Und auch beim Radkauf muss man einige „Kröten schlucken“. Es sei denn, man hat so viel Geld, dass man sich seinen neuen Stößer maßgeschneidert zusammenstellen lässt. So ein Custom-built Rad kostet dann aber gut und gerne das Doppelte. Ich freue mich jetzt schon auf das Weihnachtsgeschenk, das ich mir selber gemacht habe.