Corona und seine Auswirkungen – Social Distancing, stay@home – gibt mir gerade einen kleinen Vorgeschmack darauf was passiert, wenn mein Mann nächstes Jahr in Rente geht. Die Firma meines Mannes hat Kurzarbeit angemeldet und er macht Homeoffice. Ich gehe weiterhin ins Büro, wenn auch mit reduzierten Arbeitszeiten.  

Was habe ich noch vor ein paar Wochen innerlich geschmunzelt, wenn meine Lauftreffpartnerinnen sich über ihre Ehemänner ausgelassen haben, die gerade in den wohlverdienten Ruhestand gegangen waren:  

Als er noch berufstätig war habe ich die Wohnung abends so vorgefunden wie ich sie morgens verlassen hatte. Jetzt ist die Küche ein Schlachtfeld und im Wohnzimmer sieht es aus wie bei den Hottentotten.

Mir passiert das bestimmt nicht, habe ich da gedacht. Doch die Corona Krise zeigt mir jetzt, was mich in einem Jahr, zwei Monaten und ein paar Tagen nach Feierabend erwarten wird, wenn ich nicht jetzt schon gegensteuere: überquellende Wäschekörbe, dreckiges Geschirr und ein Küchentisch, auf dem man genau ablesen kann, was es tagsüber zu essen gab.  

Die klassische Rollenverteilung 

Zur Ehrenrettung der Männer möchte ich anmerken, dass sich dieses Nicht-Wahrnehmen-Können von notwendigen Hausarbeiten ja über viele Jahre entwickelt hat. So wie bei vielen Ehepaaren um die 60 sind bei uns die Rollen klar verteilt: Der Mann geht hinaus ins feindliche Leben und sorgt für die Ernährung der Familie, während die Frau sich um die Kinder und den Haushalt kümmert. Als unsere Töchter auf die Welt kamen, habe ich meinen Vollzeitjob als Übersetzerin an den Nagel gehängt und mich fortan um die Erziehung der Kinder und den Haushalt gekümmert. Niemand hat mich dazu gezwungen. Ich wollte das so und bereue es auch nicht. Als die Kinder in den Kindergarten kamen, habe ich erst freiberuflich übersetzt und mir dann zusätzlich einen Minijob gesucht. Erst als meine Älteste kurz vor dem Abitur stand und die Jüngste in der 10. Klasse für ein halbes Jahr ins Ausland zog, habe ich eine Teilzeitstelle angetreten. Seit knapp zehn Jahren arbeite ich nun wieder Vollzeit. Die Kinder sind flügge und wohnen schon lange nicht mehr bei uns.  

Old habits die hard 

Mit liebgewonnenen Gewohnheiten zu brechen, ist gar nicht so einfach. Wenn man es gewohnt ist, dass die dreckige Wäsche wie durch Zauberhand gewaschen, gebügelt und gefaltet wieder im Schrank liegt und eine warme Mahlzeit auf dem Tisch steht, dann setzt man es irgendwann als selbstverständlich voraus. Das ist ja nicht böse gemeint. Außerdem gehören dazu immer zwei.

Wehret den Anfängen  

Wehret den Anfängen, dachte ich. Wenn ich jetzt nicht eine klare Grenze ziehe, dann schleicht sich dieses Verhalten ein. Also habe ich Hausarbeiten delegiert.  Dabei habe ich gleich zwei klassische Fehler begangen: 

  1. Erst delegieren und dann doch selber machen
    Wenn man jemanden bittet einem zu helfen – sagen wir mal das Bad zu putzen – dann muss man ihn/sie auch machen lassen, selbst wenn das Endergebnis nicht den eigenen Ansprüchen genügt. Wenn man hinterherputzt, sagt sich der Helfende natürlich “ja, wenn ich es dir sowieso nicht recht machen kann, dann mach es doch gleich selbst”.  
     
  1. Unklare Anweisungen geben
    Wir hatten den Deal “der eine kocht, der andere wäscht ab”. Ich dachte, dass dieser Deal eindeutig wäre. War er aber nicht, denn ich hatte nicht erwähnt, WANN der Abwasch erledigt sein sollte. Ich war davon ausgegangen, dass mein Mann das Geschirr direkt nach dem Mittagessen abwaschen würde. Er sah darin aber überhaupt keine Notwendigkeit. Wieso gleich spülen, wenn man noch jede Menge Platz hat, Geschirr zu stapeln.  

Wir werden diese Krise nutzen und das Beste daraus machen, so wie wir das immer gemacht haben in den gut 30 Jahren unseres Zusammenlebens – in guten wie in schlechten Zeiten.