Heutzutage ist Altes nicht mehr Alt, sondern Vintage. Ich bin also nicht alt, sondern eigentlich Vintage. Doch das nur so nebenbei. Altes lässt sich nicht vermarkten, aber Vintage ist in.

Vintage kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie alt, erlesen, hervorragend. Es bezeichnet eine Moderichtung (z.B. Kleidung, Möbel, Musik oder auch Brillen), die darauf abzielt Dinge im Retrolook der 1930er bis 1970er Jahre zu gestalten.

In der Mode versteht man unter Vintage oft auch ein auf „gebraucht“ gestyltes Stück, was dann auf gut Deutsch „used look“ oder „destroyed look“ heißt.

Vintage ist also gerade angesagt und das nicht nur in der Mode, sondern auch in der Fahrradwelt. Wer etwas auf sich hält, kauft sich derzeit kein neues, sondern ein altes, gebrauchtes Rad. Diesen Trend erkannt hat Stefan Jansa aus Hamburg. Er kauft auf Flohmärkten oder über Ebay alte schrottreife Räder auf, macht sie wieder fahrtüchtig und verkauft sie dann für 100 – 600 Euro an seine meist junge Kundschaft. Jedes Rad hat seine Geschichte, jedes Rad ist ein Unikat. Die Kunden suchen das Außergewöhnliche. Das eigene Rad soll sich von den Rädern der Masse abheben. Nicht nur die Technik ist wichtig, auch das Design. Das Rad muss ein Hingucker sein, etwas Besonderes und Verlässliches. Diese Eigenschaften traut man komischerweise einem alten Rad eher zu als einem neuen.

Ein schönes, altes Rennrad schieben Studentinnen durch die Schanze wie sie eine Handtasche tragen – als Accessoire. Das Rad wird zum Modeartikel.

Insbesonders im Großstädten wie Hamburg oder Berlin ist die Nachfrage nach Vintage-Rädern groß. Zum einen, weil sie sich abheben von der Masse der aktuellen Räder und weil sie relativ günstig in der Anschaffung sind. Schließlich wird in den Städten viel gestolen, da schmerzt der Verlust eines alten Rades weniger als eines teuren neuen Flitzers.