Wir hatten letzte Woche in der Innenstadt eine Verkehrskontrolle für Radfahrer. So eine Kontrolle für Nicht-Autofahrer findet nicht häufig statt. Umso überraschter und aufgebrachter sind dann diejenigen, die im Zuge dieser Kontrolle bei einem Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung erwischt werden:

Leserbrief von Montag, 1. Februar in der BNN

Leserbrief von Montag, 1. Februar in der BNN

Welche Fakten entnehmen wir dem empörten Leserbrief: Eine Radfahrerin ist bei Rot über die Kreuzung gefahren! An dieser Kreuzung herrscht erhöhte Unfallgefahr. Der Zirkel ist eine Einbahnstraße mit einem Gehweg, einem getrennt davon verlaufenden Radweg und einer Straße. An der Stelle, an der kontrolliert wurde, kann man (als Radfahrer) rechts in die Waldstraße abbiegen oder links – alle Verkehrsteilnehmer – an der Staatlichen Kunsthalle vorbei zum Schlossplatz kommen. Deshalb ist die Ampelschaltung wie folgt: Erst wird die Fußgängerampel grün, dann die Radfahrerampel und zum Schluss die Verkehrsampel für PKWs. Warum ist das zeitlich gestaffelt? Fußgänger sind langsamer als Radfahrer, Radfahrer sind langsamer als Autofahrer. Man will verhindern, dass es beim Abbiegen zu Unfällen kommt.

Von daher muss ich der Verfasserin des Leserbriefes vehement widersprechen. Was Frau Kohl als „Aufbessern der Kassen auf Kosten von Fahrradfahrern“ bezeichnet, nenne ich Ahnden eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung. Die StVO gilt nämlich nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Radfahrer und Fußgänger. Nur weil die Fußgängerampel schon auf Grün gesprungen ist, heißt das noch lange nicht, dass ich als Radfahrer auf dem getrennt vom Fußweg verlaufenden Radweg schon losfahren darf. Wenn die Ampel für Autofahrer und Radfahrer noch auf Rot steht, ist es vollkommen irrelevant, welche Farbe die Fußgängerampel hat. Ich gehe jede Wette, dass Frau Kohl nicht von „Abzocke oder Abkassieren“ geschrieben hätten, wenn ein Autofahrer links an ihr vorbei bei Rot über die Kreuzung gefahren und von der Polizei angehalten worden wäre.

Durch die vielen „kleinen“ Regelverstöße – mal kurz bei Rot über die Straße, es schaut gerade keiner; mal kurz ohne Licht gefahren, ich sehe ja noch was; mal kurz als Geisterfahrer entgegen die Fahrtrichtung gefahren, das geht schneller – ruinieren wir Radfahrer unseren Ruf doch im Grunde selbst.  Von daher finde ich es gut, dass auch wir kontrolliert und ggf. bestraft werden, wenn wir uns nicht an die geltenden Gesetze halten. Manche lernen es eben nur auf die harte Tour.