Das Rad - Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Schlagwort: Verkehrsunfall Seite 2 von 5

Floskeln in Unfallmeldungen

Viele von euch haben bestimmt schon mal offizielle, von der Polizeit verfasste Unfallmeldungen gelesen. Sehr oft werden ganze Passagen davon unreflektiert in der Lokalpresse veröffentlicht. Der Blog PresseRad hat informativ und auf unterhaltsamer Weise untersucht, wie der Radfahrer in solchen Pressemitteilungen dargestellt wird (leider ist der Blog nicht mehr online):

Gerne übersehen, oft touchiert, ohne Helm längst tot, und gegen Verkehrsregeln verstoßend, die niemand korrekt erklären kann.

Wenn man Unfallmeldungen liest, in denen Radfahrer das Opfer sind, könnte man meinen, die hätten sich allesamt selbst verletzt, sprich die Verletzung selbst zugeführt. Zwischen den Zeilen wird außerdem häufig eine gewisse Mitschuld suggeriert durch Sätze wie:

Radfahrer, der keinen Helm trug, verletzte sich schwer.

Erst einmal haben wir keine Helmpflicht und zweitens ist so ein Helm auch keine Wundermittel gegen jede Verletzung.

Was will man dem Leser mit folgendem Satz mitteilen?

Der unbehelmte Junge brach sich einen Fuß und erlitt schwere Verletzungen an den Händen.

Unterschwellig gibt man hier dem Jungen doch eine Mitschuld an seinen Verletzungen, nach dem Motto hättest du einen Helm getragen, wäre das nicht passiert.

Formulierungen und Floskeln diesen Kalibers nahm @PresseRad in seinem Blog und auf Twitter gekonnt aufs Korn. Die Unfallmeldung der Polizei Heilbronn kommentierte @PresseRad dann so:

Sturzbedingte, schwere #Sichselbstverletzung aufgrund #Übersehenwerden

@PresseRad bringt es auf den Punkt

Aufofahrer – die Hauptverursacher von Unfällen, an denen Radfahrer und PKW beteiligt sind –  kommen dagegen häufig positiv in Unfallmeldungen weg. Sie haben dann immer nur kurz auf ihr Handy geschaut und waren nur Sekundenbruchteile abgelenkt. Die Sonne hat sie geblendet oder der vorfahrtsberechtige Radfahrer ist urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht und den haben sie dann einfach übersehen.

Leider hat @PresseRad aufgehört zu bloggen.

Stehen wir über dem Gesetz?

Stehen wir Radfahrer über dem Gesetz, nur weil wir Rad fahren? Gelten Regeln immer nur für andere Verkehrsteilnehmer, aber nicht für uns selbst? Anders kann ich die Pressenachricht der Polizei Karlsruhe leider nicht interpretieren:

Radkontrollen stießen auf Unverständnis

Ich weiß natürlich nicht, wie viele Radfahrer insgesamt kontrolliert wurden. 17 von 100 sind viel, 17 von 1000 sind nicht viel. Die Kreuzung Rüppurrer Straße / Baumeisterstraße ist ein gefährliches Eck. Gerade dort sollten wir Radfahrer nicht nur höllisch aufpassen, sondern uns auch an die Regeln halten. Ich halte es weder für Schikane noch für unsinnig, wenn man auch uns kontrolliert. Die Polizisten hätten bestimmt auch lieber etwas „Besseres“ getan,  Auch zugeparkte Radwege oder blind nach rechts abbiegende Autofahrer rechtfertigen nicht unser eigenes Fehlverhalten. Nur weil wir mit dem Rad unterwegs sind, gibt uns das keinen Freifahrtschein für Regelverstöße. Das sehen viele andere Radfahrer auf Twitter und Facebook zwar komplett anders als ich, aber irgendwie war ich noch nie Mainstream.

Klingeln oder nicht klingeln?

Egal, was man macht, es ist immer verkehrt. Klingelt man, heißt es „Müssen Sie so laut klingeln, ich bin doch nicht schwerhörig!“

Klingelt man nicht, sondern räuspert sich nur oder macht anderweitig auf sich aufmerksam, muss man sich „Müssen Sie sich so ranschleichen, können Sie nicht klingeln!“ anhören.

Jeder von euch kennt die folgende Situation: Man fährt von hinten auf eine sich in dieselbe Richtung bewegende Gruppe von schwatzenden Walkern, Joggern oder Spaziergängern zu. Wenn man klingelt, entstehen tumultartige Szenen: Die Person ganz rechts will nach links, die Person links will nach rechts und die in der Mitte weiß überhaupt nicht wohin, da sie von allen Seiten angerempelt wird. Ich habe noch nie erlebt, dass so eine Gruppe geordnet den Weg frei macht. Es trifft sie immer wieder vollkommen unvorbereitet, dass jemand sie überholen will.

Noch schlimmer sind Jogger oder Walker mit Kopfhörer. Sie reagieren meist weder auf Klingeln, noch auf Räuspern oder Rufen. Wenn man dann überholt, machen sie vor Schreck einen Satz zur Seite, wenn man Pech hat, genau auf einen zu.

Derzeit gibt es ein neues Phänomen – Menschen, die auf Displays starren! Alle Welt ist im Pokemon Fieber. Leider vergessen die Spieler vor lauter Suche nach Pokemons, dass es auch noch so was gibt wie real existierende Mitmenschen. Was gäbe ich darum, wenn ihr Smartphone nicht nur bei Pokemons in der Nähe vibrieren würde, sondern auch wenn ich sie überholen will.

 

Der Fahrradkrieg – Wem gehört die Stadt

Heute Abend um 20.15 Uhr gibt es im SWR Fernsehen eine Reportage, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet: Der Fahrradkrieg – Wem gehört die Stadt

Geisterfahrräder erinern an verunfallte Radfahrer (Bild: SWR)

Der Titel hört sich schon mal martialisch an. Herrscht tatsächlich Krieg auf deutschen Straßen? Stimmt es, was im Untertitel zur Reportage steht:

Deutschland erlebt einen Fahrrad-Boom. Immer mehr steigen um auf E-Bike, Pedelec oder konventionelles Rad und beanspruchen ihren Platz im Straßenverkehr. Konflikte auf den Straßen nehmen daher zu. Wem gehört die Stadt? Radler beklagen sich über rücksichtslose Autofahrer. Fußgänger und Autofahrer empören sich über „Rambo-Radler“, die Sonderrechte für sich in Anspruch nehmen. Und alle fühlen sich im Recht im Kampf um jeden Meter Straße.

Ein Team von „betrifft“ ist dieser Frage nachgegangen und hat sich auf den „Kriegsschauplatz Straße“ gewagt. Ich bin schon mal sehr gespannt auf heute Abend.

Schilderflohmarkt

Am 16. Juli veranstaltet das Karlsruher Tiefbauamt in der Neureuter Straße 21 zwischen 10 und 14 Uhr einen Schilderflohmarkt und verkauft Verkehrszeichen aller Art. Wie wäre es mit einem Stopschild für den Kühlschrank, einem Spielstraßenschild vor der Hofeinfahrt oder einer Ampel fürs Bad?

Schade nur, dass man die Schilder nicht bei sich auf der Straße aufstellen darf. Dann würde ich mir entweder solche Schilder besorgen:

Fahrradstraße

Fahrradstraße

oder alternativ das Schild, über das Thomas in seinem Aprilscherz Radfahrer überholen verboten! berichtet hat:

Radfahrer überholen verboten

Aufgestellt in meiner Straße, würde dieses Schild die Situation für mich als Radfahrer extrem entspannen. Auch hier darf man max. 30 km/h fahren. Nur hält sich kaum jemand daran. Die Straße ist schmal, gebaut in den 60iger Jahren als die Autos noch klein waren und es noch keine Mamapanzer gab. Erschwerend hinzu kommt derzeit, dass aufgrund einer Umleitung der Durchgangsverkehr durch unsere Straße geschleust wird. Nur wer Todessehnsucht verspürt, nutzt als Radfahrer unsere Straße während der Rushhour.

Gute Fahrradinfrastruktur = weniger Fahrradunfälle

Es heißt zwar „traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, aber der Aussage der nachfolgenden Balkengrafik bin ich geneigt Glauben zu schenken.

Eine gute Fahrradinfrastruktur trägt dazu bei, die Unfallzahlen zu senken

Unfallbilanz Polizeidirektion Karlsruhe

Nachfolgend ein paar Zahlen zur Unfallbilanz in der Stadt Karlsruhe, die die Polizeidirektion Karlsruhe unlängst veröffentlicht hat.

Verglichen mit den Vorjahren ist die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern relativ konstant geblieben. Was ich nicht wusste: 52,6 % aller Unfälle, an den Fahrradfahrer beteiligt waren, wurden vom Radfahrer selbst verschuldet.

Unfallzahlen KA (Radfahrer)

Die Zahl der getöteten Radfahrer ist zwar zurückgegangen, aber 3 Tote sind immer noch 3 zuviel. Auch ich bin in dieser Statistik zu finden. Ich war letztes Jahr eine der 783 Leichtverletzen (unverschuldet).

Was sofort ins Auge fällt ist der Rückgang bei den Fahrradunfällen mit tötlichem Ausgang, den der Radfahrer verschuldet hat. Hier scheinen die Aufklärungskampagnen der Polizei, des ADFC, etc. gefruchtet zu haben.

2007 war die Zahl der verunglückten Radfahrer am höchsten, ging dann zunächst 3 Jahre lang kontinuierlich zurück und stieg plötzlich wieder dramatisch an. Da frage ich mich natürlich, was war 2010/2011? Wieso schossen die Zahlen auf einmal wieder in die Höhe?

Verunglückte Radfahrer in Karlsruhe 2006 – 2015

998 verunglückte Radfahrer in Karlsruhe = 2,73 Radfahrer pro Tag bzw. 19,14 pro Woche. Es gibt also noch viel zu tun in puncto Verkehrssicherheit.

Ride of Silence

Am 18. Mai 2016 findet in vielen Städten dieser Welt der sogenannte Ride of Silence statt. Immer am 3. Mittwoch im Mai treffen sich Radfahrer weltweit zu einer langsamen Gedenkfahrt durch ihre Stadt, um an die bei einem Verkehrsunfall verletzten oder getöteten Radfahrer zu erinnern.

Ride of Silence

Ride of Silence

Getrennt verlaufende Radwege

Wenn sich Autofahrer und Radfahrer die Straße teilen müssen, dann kann das auf Dauer nicht gutgehen. So sieht es jedenfalls Jen Sorensen, politische Cartoonistin aus Amerika. Wir Radfahrer haben gegen PKWs enfach keine Chance, zu ungleich sind die Kräfteverhältnisse verteilt.

Don't mix cars and bikes

Don’t mix cars and bikes von Jen Sorensen

Da hat sie leider nicht so ganz unrecht. Es gibt Tage, da komme ich abends nach Hause und denke „heute musste dein Schutzengel wieder Überstunden machen“. Heute war so ein Tag. Eine PKW-Fahrerin hat mich mit überhöhter Geschwindigkeit so dicht überholt, dass zwischen mir und dem rechten Seitenspiegel ihres Fahrzeugs keine Briefmarke mehr gepasst hätte. Die Neureuter Straße ist vierspurig. Stadteinwärts gibt es  eine parallel verlaufene Abbiegespur. Auf der gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Am rechten Straßenrand parken Fahrzeuge. PKW Fahrer und Radfahrer teilen sich den verbleibenden Platz. Abends, wenn in der Regel Stau auf der Neureuter Straße ist, meinen immer wieder ein paar Hirnies, sie müssten die Abbiegespur dazu nutzen um rechts am Stau vorbeizufahren, um dann 200 Meter weiter wieder links auf die Neureuter Straße einzubiegen. Zeitgewinn: ein paar Sekunden.

So auch die PKW Fahrerin. Ich hatte sie von hinten nicht kommen hören. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, dass jemand so unvernünftig sein könnte, mich trotz der Enge überholen zu wollen. Ich fahre hier eher mittig auf der Straße. Man weiß ja nie, ob nicht plötzlich ein rechts parkender Autofahrer die Tür aufreißt ohne sich umzuschauen. Hätte ich auch nur ein bisschen den Lenker verrissen, dann wär es passiert – aus die Maus, Unfall, Krankenhaus oder Schlimmeres. Mir haben vor lauter Adrenalin regelrecht die Knie geschlottert.

Getrennt verlaufene Radwege sind schon was Tolles. Solche Überholmanöver bleiben einem dann wenigstens erspart.

 

Dooring oder Radfahrer prallt gegen Autotür

Ich bin zwar kein Freund von zu vielen Anglizismen, aber manchmal hat die englisch-sprechende Welt einfach ein kurz und knackiges Wort für einen Sachverhalt, den wir im Deutschen erst umständlich umschreiben müssen: Dooring  oder to get doored sind so Wörter (Fahrradunfälle infolge unaufmerksamen Öffnens von Fahrzeugtüren).

Autos werden immer breiter, Radwege und insbesondere die sogenannten Schutzstreifen bleiben dagegen relativ schmal. Wir Radfahrer sind in der Regel auf einem 1,5 Meter breiten Radstreifen unterwegs:

Schutzstreifen schützen nicht wirklich

Schutzstreifen

Der Schutzstreifen oben ist nicht mal 1,5 m breit. Wenn der Fahrer des rechts parkenden Fahrzeuges ohne nach hinten zu blicken die Tür aufreißen würde, dann hätte man als Radfahrer keine Chance auszuweichen. Eine geöffnete Autotür eines Kleinwagens klappt mit ca. 88 cm aus, ein „Mamapanzer“ (SUV oder Kombi) sogar mit ca. 96 cm.

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