Das Rad - Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Schlagwort: Radwege Seite 3 von 4

Falschparkern geht’s an den Kragen

Kaum schreibe ich was über Falschparker auf Karlsruher Radwegen, finde ich reihenweise Artikel übers Falschparken in den Medien. Da ich kaum annehme, dass man von mir abgeschrieben hat, gehe ich davon aus, dass das Parken auf Rad- und Gehwegen deutschlandweit überhand nimmt:

Dass mit der Größe des Autos auch die Dreistigkeit der Fahrer dieser Autos zunimmt, scheine nicht nur ich so zu empfinden:

Je dicker das Auto, umso egoistischer das Verhalten

so die Aussage von Heinrich Stößenreuther – der die Wegeheld-App ins Leben rief – nach Auswertung von 8000 Meldungen und Fotos von falsch parkenden Fahrzeugen auf Deutschlands Rad- und Fußwegen.

Interessant fand ich auch folgende Aussage: Man darf auf Twitter (#falschparker) oder ähnlichen Plattformen Fotos von Fahrzeugen veröffentlichen, auf denen das komplette Kennzeichen zu erkennen ist. Laut einem nicht namentlich genannten Experten aus dem Berliner Polizeipräsidium muss man – so der Bericht auf Zeit Online bzw. Tagesspiegel – Kennzeichen nicht verpixeln und darf selbst wertende Äußerungen wie „blockiert Einfahrt“ oder „gefährdet Kinder“ veröffentlichen. Das Persönlichkeitsrecht werde dadurch nicht verletzt, da Privatpersonen anhand des Kennzeichens nicht den Halter ermitteln können. Dies könne nur die Polizei.

Sicherheitshalber werde ich die Kennzeichen falsch parkender Fahrzeuge auch in Zukunft unkenntlich machen. Man weiß ja nie, ob es da nicht irgendwelche Ausnahmen gibt.

Falschparker geht's an den Kragen

Falschparkern geht’s an den Kragen

 

Critical Mass bei Nacht

Gestern war wieder Critical Mass in Karlsruhe. Ich war das dritte Mal dabei. Neu für mich: wir wurden nicht von einer Motorradstaffel der Polizei begleitet. Das gab der ganzen Sachen ein gewisses Etwas. Bei meinen ersten beiden Teilnahmen war ich mir immer vorgekommen wie auf einem von Mama und Papa begleiteten Kindergeburtstag: Es hat zwar Spaß gemacht und wir sind gemütlich durch die Stadt geradelt, aber es fehlte was. Wenn ich sonst allein oder mit anderen in einer Gruppe mit dem Rad durch die Innenstadt fahre, verhalten sich viele Autofahrer und Fußgänger einfach anders.

Critical Mass bei Nacht

Critical Mass bei Nacht

Gestern war Critical Mass in Karlsruhe wie aus dem richtigen Leben gegriffen, auch die anderen Verkehrsteilnehmer haben sich autentischer verhalten: wir wurden angelächelt und angehupt, vorgelassen und gefährlich überholt, es wurde verständnislos mit dem Kopf geschüttelt oder mit den Händen gefuchtelt. Ein Autofahrer stieg sogar an einer roten Ampel aus und schrie seinen Frust, dass er eine Minute – also eine gefühlte Ewigkeit – hinter uns herfahren musste lautstark heraus: „ihr seid alles Arschlöcher“. Mit Motorradstaffel wären uns diese unterschiedlichen Gemütsregungen nicht zuteil geworden.

Fehmarn per Rad

Man muss auch mal Glück haben – im Süden Deutschlands regnet es und wir haben Sonnenschein satt:

Fehmarn – Südostküste

Ich hatte ja im Vorfeld gedacht, dass ein Mountainbike auf Fehmarn ein wenig übertrieben wäre, aber ich habe falsch gedacht. Zugegeben, Berge gibt es hier nicht, nicht mal Hügel oder kleine Hubbel, aber dennoch ist man mit einem Mountainbike auf Fehmarn flexibler als mit einem Trekkingrad oder Citybike. So kann man ohne Schwierigkeiten die ganze Insel direkt an der Küste umrunden.

Postkartenidylle im Oktober auf Fehmarn

Postkartenidylle im Oktober auf Fehmarn

Single Trails gibt es nur in den Bergen? Weit gefehlt.

Single Trails an der Nordküste Fehmarns

Single Trails an der Nordküste Fehmarns

Fehmarn im Oktober – für Radfahrer ein Traum. Es ist kaum was los, man hat die Küstenwege fast für sich allein. Die Beschilderung ist hervorragend, die Wegstrecken bestehen aus Schotterpisten, asphaltierten Nebenstraßen, Single Trails oder grasbewachsenen Deichen.

Man teilt sich den Radweg mit anderen Verkehrsteilnehmern

Man teilt sich den Radweg mit vierbeinigen Verkehrsteilnehmern

Adrenalin-Junkies sind hier an der falschen Adresse, aber wer Entspannung sucht und gerne Rad fährt, der ist im Herbst auf Fehmarn genau richtig.

Unser größtes Feindbild: Autofahrer

Dies ist das nicht sehr erstaunliche Ergebnis einer von YouGov im Mai durchgeführten Umfrage unter Fahrradfahrern. Wenn es um Feindbilder geht, steht der Autofahrer bei uns Radfahrern ganz oben auf der Unbeliebtheitsskala. Mit 38 % liegt der Autofahrer weit vor der Verkehrsführung (17 %), den anderen Radfahrern (11 %), den Fußgängern (9 %) und sonstigen Ärgernissen (3 %). Was mich überrascht hat war, dass eine im März unter Autofahrern durchgeführte Umfrage zu ähnlichen Ergebnissen geführt hat:

Worüber sich Radfahrer / Autofahrer am meisten ärgern

Bis vor zwei Wochen waren bei mir andere Radfahrer und die durch Baustellen verursachte Verkehrsführung in der Innenstadt noch weit vor den Autofahrern. Diese Gewichtung hat sich seit meinem Unfall vor zwei Wochen etwas verschoben. Die Gefahr, die von unaufmerksamen Autofahrern ausgeht, ist einfach größer als eine chaotische Verkehrsführung. Autos haben Airbag und Knautschzone, wir haben – wenn es hochkommt – nur einen Helm.

Übrigens hat das gleiche Marktforschungsinstitut unlängst festgestellt, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine Helmpflicht für Radfahrer befürworten würde. Da lediglich 1174 Personen befragt wurden und davon nur knapp die Hälfte (491) angab, regelmäßig mit dem Rad zu fahren, bin ich etwas skeptisch, ob dieses Ergebnis wirklich so repräsentativ ist.

Ich kann nur jedem zu einem Helm raten. Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich beim Unfall keinen Helm getragen hätte.

1. Mai heißt Fahrrad fahren?

Es ist 1. Mai und es regnet. Die Wettervorhersage verspricht für heute auch keine Besserung. Das bedeutet, dass ich endlich mal das machen kann, was ich sonst am 1. Mai nie tun würde, nämlch Fahrrad fahren. Es gibt doch nichts besseres als schlechtes Wetter an einem Feiertag, denn schlechtes Wetter heißt freie Fahrt auf allen beliebten Radrouten rund um Karlsruhe. Wo sonst andere Radfahrer und Spaziergänger den Weg versperren, herrscht heute gähnende Leere. Man könnte sogar wagen an den Rhein runter zu fahren, um von dort über Germersheim nach Speyer zu radeln.

Doch für die meisten Menschen lädt so ein verregneter Tag nicht gerade zum Radfahren ein. Aber es gibt ja Alternativen rund ums Rad. Die macht man zwar nicht gerne, aber diese Arbeiten müssen auch mal erledigt werden. Irgendwann scheint ja schließlich auch mal wieder die Sonne:

  • Rad putzen
  • Rad warten
  • Winterreifen wechseln

Wer es lieber gemütlich mag, kann natürlich auch ein spannendes Buch lesen, den Tag vor dem Fernseher verbringen oder aufs Display seines Smartphones starren.

Mein erstes Mal – Critical Mass in Karlsruhe

Unser Begleitservice - 6 motorisierte Polizisten

Unser Begleitservice – motorisierte Polizisten

Freitag, 27. März 2015, letzter Freitag des Monats, kurz vor 18.00 Uhr. Statt Fahrradfahrer nur fünf Polizisten mit ihren Motorrädern. Ich hatte schon Angst, dass ich als einzige mit Polizeischutz durch die Innenstadt fahren werde. So sieht also „Critical Mass“ aus. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt, vor allem mit mehr Gleichgesinnten. Schließlich will man mit der Critical Mass Bewegung doch auf die Nöte der Radfahrer hinweisen, für mehr Verständnis werben, auf die verbesserungswürdigen Radwege aufmerksam machen, um mehr Abstellplätze bitten, eine grüne Welle für Radfahrer fordern und, und, und …

 

Critical Mass in Karlsruhe

Critical Mass in Karlsruhe

18.00 Uhr, ich bin Gott sei Dank doch nicht allein, peu à peu treffen weitere Radfahrer ein. Es folgt eine kurze Ansprache des Vorstands des ADFC-Kreisverbands Karlsruhe, Christian Büttner. Man wolle Werbung fürs Radfahren betreiben, nicht provozieren, denn der Spaß an der Aktion stehe im Vordergrund.

Radwegenetz wird ausgebaut

Karlsruhe hat in punkto Ausbau seines Radwegenetzes große Pläne. 2005 verabschiedeten die Stadtväter ein 20-Punkte-Programm, das vorsah bis 2012 mindestens 2 Radrouten pro Jahr herzustellen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, die Kosten entpuppten sich – oh welch Wunder – als zu hoch und die Koordination mit anderen baulichen Maßnahmen erwies sich als schwierig.
Umso erfreuter war ich, als unlängst stolz verkündet wurde, dass die Bergdörfer nun endlich ans städtische Radwegenetz angeschlossen werden sollen.

Gehweg für Radfahrer erlaubt

Status quo Richtung Wettersbach: Gehweg – Radfahrer nur erlaubt

Infrastruktur für Radfahrer

Karlsruhe hat zwar beim Fahrradklimatest 2014 besser abgeschnitten als andere Städte, kann sich aber mit einer Durchschnittsnote von 3,2 auch nicht gerade stolz auf die Schultern klopfen. Insbesondere was die Qualität der Radwege anbetrifft gibt es bei uns noch Verbesserungspotential:

  • Oberfläche der Radwege: 3,3
  • Reinigung der Radwege: 3,6
  • Hindernisse auf Radwege: 3,6
  • Breite der Radwege: 3,6

Wenn unsere Kinder mit solchen Noten nach Hause kämen, würden wir wahrscheinlich säuerlich die Mundwinkel nach unten ziehen. Doch verglichen mit anderen Städten dieser Welt geht es uns noch richtig Gold.

Schwalbe spendet 100 Buffalo-Bikes für Bildungsprojekte

Was haben Fahrräder mit Bildung zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts, aber für viele Kinder in der Dritten Welt entscheidet der Besitz eines Fahrrads darüber, ob ein regelmäßiger Schulbesuch möglich ist oder nicht. Der Schulbesuch wiederum entscheidet darüber, ob ein Kind überhaupt eine Chance hat, dem Teufelskreis aus Armut und Krankheit zu entkommen. Ein Fahrrad verkürzt stundenlange Schulwege enorm und ermöglicht damit Zugang zu Bildung und Wohlstand.

World Bicycle Relief wurde vor 10 Jahren nach dem Tsunami im Indischen Ozean gegründet. Die Idee, die hinter der Organisation steht, ist einfach:

  • Mit dem Rad ist man drei Mal schneller als zu Fuß.
  • Mit dem Rad kann man in derselben Zeit vier Mal so weit fahren und hat dadurch Zugang zu Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern, Märkten und Arbeitsplätzen, die einem sonst verschlossen wären.
  • Mit dem Fahrrad kann man fünf Mal so viel Lasten transportieren wie zu Fuß.

Ein Rad kann also den Unterschied ausmachen zwischen Armut und relativem Wohlstand.

Word Bicycle Relief ist heute in 13 Ländern in Afrika sowie in den Philippinen, Indonesien und Peru vertreten und hat insgesamt fast 200.000 Fahrräder an Menschen in Not ausgeliefert. Finanziert wurden diese Räder über Spenden aus aller Welt.

Gebaut wird das Buffalo-Bike in Afrika. Um den Zugang zu Wartung und Ersatzteilen sicherzustellen, werden vor Ort auch Zweiradmechaniker ausgebildet.

Ein Buffalo Bike muss extremen Belastungen standhalten: 23 Kilogramm schwer, ohne Gangschaltung und technischen Schnickschnack, mit Stahlrahmen und Rücktrittbremse und einer Ladefläche für bis zu 100 Kilogramm stellen sicher, dass das Buffalo-Bike auch auf Schotterpisten oder Sandwegen sicher von A nach B kommt.

THIS IS NOT A BIKE – it’s an engine for economic and cultural empowerment

Tue Gutes und rede darüber. Bei Schwalbe selbst findet sich nur ein kurzer Presseartikel. Ich finde, darüber könnte man ruhig mehr reden bzw. schreiben, denn Schwalbe sollte Vorbild für viele Unternehmen sein.

Fahrradklimatest 2014

Heute wurden in Berlin die Gewinner des Fahrradklimatests 2014 gekürt. Der ADFC hat diesen Klimatest zusammen mit dem Bundesverkehrsministerium bereits zum 6. Mal durchgeführt. Seit 1988 wurden Deutschlands Radfahrer in regelmäßigen Abständen zu den Radverkehrsbedingungen in ihrer Stadt befragt.

Fangen wir mit der guten Nachricht an: Karlsruhe konnte hinter dem Seriensieger, der Stadt Münster, den zweiten Platz in der Kategorie der Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern erringen. 2012 lagen wir noch auf Platz 3 hinter Freiburg, 2005 sogar nur auf Platz 10. Die Tendenz stimmt also schon mal. Was allerdings zum Nachdenken anregen sollte, ist die Gesamtnote, die die Karlsruher ihrer Stadt gegeben haben: eine magere 3,2. Da ist also noch jede Menge Luft nach oben.

Wie haben die Karlsruher Radfahrer über ihre Stadt im Einzelnen geurteilt? Insgesamt haben 905 Karlsruher am Klimatest teilgenommen. Verglichen mit Münster (1497) ist das nicht besonders viel. Entweder ist das Interesse der Karlsruher am Thema Radfahren nicht besonders groß oder die Stadt hat einfach nicht genug Reklame für die Teilnahme am Klimatest gemacht. Gute Noten gab es für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,1) und für geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (2,1). Niederschmetternd war das Urteil der Karlsruher in punkto Fahrraddiebstahl (4,2), der Führung an Baustellen (4,3) und der Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen (4,5).

Verglichen mit Münster punkten wir nur bei der Mitnahme von Rädern im ÖV (2,7 bzw. 2,9) und bei den Mieträdern (2,2 bzw. 2,3). Da müssen wir aber noch eine Menge tun, wenn wir der Fahrradhauptstadt Deutschlands den Rang ablaufen wollen.

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