Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Schlagwort: Fahrradweg Seite 2 von 3

Fehmarn per Rad

Man muss auch mal Glück haben – im Süden Deutschlands regnet es und wir haben Sonnenschein satt:

Fehmarn – Südostküste

Ich hatte ja im Vorfeld gedacht, dass ein Mountainbike auf Fehmarn ein wenig übertrieben wäre, aber ich habe falsch gedacht. Zugegeben, Berge gibt es hier nicht, nicht mal Hügel oder kleine Hubbel, aber dennoch ist man mit einem Mountainbike auf Fehmarn flexibler als mit einem Trekkingrad oder Citybike. So kann man ohne Schwierigkeiten die ganze Insel direkt an der Küste umrunden.

Postkartenidylle im Oktober auf Fehmarn

Postkartenidylle im Oktober auf Fehmarn

Single Trails gibt es nur in den Bergen? Weit gefehlt.

Single Trails an der Nordküste Fehmarns

Single Trails an der Nordküste Fehmarns

Fehmarn im Oktober – für Radfahrer ein Traum. Es ist kaum was los, man hat die Küstenwege fast für sich allein. Die Beschilderung ist hervorragend, die Wegstrecken bestehen aus Schotterpisten, asphaltierten Nebenstraßen, Single Trails oder grasbewachsenen Deichen.

Man teilt sich den Radweg mit anderen Verkehrsteilnehmern

Man teilt sich den Radweg mit vierbeinigen Verkehrsteilnehmern

Adrenalin-Junkies sind hier an der falschen Adresse, aber wer Entspannung sucht und gerne Rad fährt, der ist im Herbst auf Fehmarn genau richtig.

Rundfahrt durch den Nordschwarzwald

Wenn man sich die Karte anschaut, könnte man aufgrund der Form meinen, wir wären rund um Großbritannien gefahren. Doch weit gefehlt – unsere Tour ging zunächst von Gernsbach entlang des Murgtalradweges über Forbach nach Schönmünzach und dann zum Forsthaus Auerhahn in Hinterlangenbach. Der Auerhahn (4-Sterne Hotel und Restaurant) ist zu allen Jahreszeiten eine Reise wert. Vom Hotel aus kann man direkt zum Mountainbiken, Wandern oder Skifahren aufbrechen.

Gernsbach - Forbach - Hornisgrinde - Mehliskopf - Gernsbach

Gernsbach – Forbach – Hornisgrinde – Mehliskopf – Gernsbach

Der erste Streckenabschnitt von Gernsbach zum Forthaus Auerhahn ist noch relativ flach. Ideal auch für Familien mit noch kleinen Kindern. Doch danach geht es spürbar nach oben, schließlich liegt die Hornisgrinde ja auch auf einer Höhe von 1163 Metern. Die krassesten Gegensätze hat man am Mummelsee. Man fährt durch den Wald, keine Menschenseele unterwegs und dann kommt man zum Parkplatz am Mummelsee. Tausende von Touristen tummeln sich da, um die „Stille“ zu genießen. Ein Souvenirshop reiht sich an den nächsten, Autos und Menschen dicht gedrängt. Wer dem Trubel entfliehen will, muss mit dem Rad weiter fahren auf die Hornisgrinde. Hoch kommt man nämlich nur zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Shuttlebus, Autos sind Gott sei Dank nicht erlaubt.

Still ruht der See

Still ruht der See

Scott Genius

Trekkingräder hätten es heute auch getan, aber wenn man schon so tolle Mountainbkes hat …

Auf der Hornisgrinde, dem höchsten Berg des Nordschwarzwalds, herrscht eine typische Moorvegetation: fast baumlose Feuchtheide, ein paar verkrüppelte, kleinwüchsige Nadelgehölze, das wars. Bei klarem Wetter – hatten wir leider nicht – hat man einen phantastischer Ausblick über das Rheintal.

Grindenlandschaft

Typische karge Grindenlandschaft

Von der Hornisgrinde ging es dann gefühlt nur noch bergab. Dort wo sich im Winter die Skifahrer und Skilangläufer austoben – Unterstmatt – Hundseck – Mehliskopf – sind wir über teilweise extrem schottrige Waldwege runter gebrettert ins Tal zurück nach Gernsbach. Da es schon recht spät war, haben wir zwei beliebte Rastplätze leider auslassen müssen: Die  Rote Lache und die Nachtigall. Aber es gibt ja immer ein nächstes Mal.

No bikes for tourists

Keine Fahrräder für Touristen?

Keine Fahrräder für Touristen?

Meine Tochter ist gerade in Amsterdam, einer Stadt, die auch immer wieder gerne genannt wird, wenn es um fahrradfreundliche Großstädte geht. Sie hat mir diese beiden Fotos geschickt. Leider konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen, was mit NO BIKES FOR TOURIST gemeint ist. Sind wir Touristen nicht in der Lage, in einer Stadt wie Amsterdam Rad zu fahren? Sind Rad fahrende Touristen eine potentielle Gefahrenquelle? Verursachen Sie mehr Unfälle als Einheimische? Der renommierte Radfahr-Experte Google konnte mir darauf noch keine schlüssige Antwort geben. Ich würde ja zu gern wissen, was es mit diesem Spruch auf sich hat.

No bikes for tourists

No bikes for tourists

 

Rechte und Pflichten rund ums Rad

Das Online-Magazin finanzen.de hat in Zusammenarbeit mit dem ADFC, dem DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) und einem Fachanwalt für Verkehrsrecht einen kleinen, aber nichtsdestotrotz umfangreichen und informativen Ratgeber rund ums Rad fahren herausgegeben:

Fahrradratgeber - Gefahren, Rechte und Pflichten beim Radfahren

Fahrradratgeber – Gefahren, Rechte und Pflichten beim Radfahren (Bild: finanzen.de)

Der Ratgeber klärt über Mythen bei Fahrradunfällen auf, gibt eine Anleitung für das richtige Verhalten nach einem Unfall und informiert, unter welchen Umständen der Versicherungsschutz von Radfahrern eingeschränkt wird. Der Ratgeber ist kostenlos und kann hier heruntergeladen werden.

Ich kann die Lektüre des Ratgebers nur jedem empfehlen, der mit dem Rad unterwegs ist bzw. der Kinder hat, die mit dem Rad unterwegs sind. Auf knapp 15 Seiten wird übersichtlich erklärt, welche Rechte und Pflichten ich als Radfahrer habe, wie ein verkehrstüchtiges Rad ausgerüstet sein muss, welche Gefahren im Straßenverkehr lauern, was die Haftpflicht- bzw. die gesetzliche Unfallversicherung abdeckt und was es bei einem sogenannten Wegeunfall zu beachten gibt.

Wenn ich dieses Wissen schon vor zwei Monaten gehabt hätte, als ich selbst Geschädigte eines Verkehrsunfalls war, wäre wahrscheinlich vieles anders gelaufen.

Helm kaputt – Kopf heil

Was für eine Schutzwirkung so ein Helm hat, konnte ich heute am eigenen Leib feststellen. Ein Autofahrer hat mir die Vorfahrt genommen, ich konnte nicht mehr ausweichen, habe den Wagen gestreift und bin voll auf die Straße geknallt. Ergebnis: Blutige Schürfwunden am Kiefer, am Jochbein, an den Knien, an der linken Schulter und an beiden Händen. Dass der Helm durch den Unfall geschrottet wurde, habe ich erst daheim festgestellt. An der Stelle, an der ich mit dem Kopf aufgeschlagen bin, zieht sich ein tiefer Riss durch die Innenschale. Den Helm kann ich nicht mehr tragen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ich keinen Helm getragen hätte. Dann wäre ich sicherlich nicht mit ein paar schmerzhaften Schürfwunden davongekommen.

Riss in der Innenschale nach einem Unfall

Riss in der Innenschale nach einem Unfall

Gott sei Dank gab es genug Zeugen, die auch geblieben sind bis die Polizei kam. Man weiß ja nie wie so ein Unfallgegner reagiert. Wenn es nach ihm gegangen  wäre, hätten wir nicht die Polizei gerufen. Aber da ich mich auf dem Heimweg von der Arbeit befand, der Unfall also eine Art „Arbeitsunfall“ war, hielt ich es für notwendig, den Unfall offiziell festzuhalten. Warum der Unfallgegner es so eilig hatte, war auch schnell klar. Er ist Pizzabote und hatte eine Lieferung im Auto. Welcher Kunde will schon gerne eine kalte Pizza! Er hatte Angst seinen Job zu verlieren. Irgendwie tat er mir richtig leid, obwohl ja eigentlich ich die Geschädigte war.

Was lernen wir aus der Geschichte? Setzt beim Radfahren einen Helm auf. Kaputte Frisuren kann man richten, einen kaputten Kopf nicht.

Fahrrad Maut

Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, plant die Bundesregierung die Einführung einer Maut für Radfahrer, um die klammen Kassen der Kommunen aufzufüllen. Diese weitere Infrastrukturabgabe soll ein Jahr nach der PKW Maut – also 2017 –  für den Bau neuer Radwege eingetrieben werden. Bezahlen müssen sie In- wie Ausländer, die sich auf deutschen Radwegen fortbewegen. Daß vielleicht viele Radfahrer ihr Rad aufgrund der drohenden Maut nicht mehr benutzen werden, glaubt die Regierung ausschließen zu können, da ja auch für das alternative Fortbewegungsmittel, das Auto, eine Maut fällig wird.

Ausgenommen von der Mautpflicht für Radfahrer sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre, Schüler und Studenten, Rentner und Sozialhilfeempfänger. Wer nachweisen kann, dass er mit seinem Rad nur abseits öffentlicher Straßen und Radwege unterwegs ist (z.B. Mountainbiker und Downhiller), muss die Maut ebenfalls nicht bezahlen.

Die Einhaltung der Maut wird stichprobenartig kontrolliert, dafür ist das neugeschaffene Bundesamt für Radfahrer (BAR) zuständig. BAR-Mitarbeiter dürfen zukünftig Radfahrer anhalten und im Maut-Register anfragen, ob für das gestoppte Fahrrad die Abgabe gezahlt wurde. Wenn nicht, dürfen sie an Ort und Stelle die Maut eintreiben. Wer die Maut nicht bezahlen kann oder will, darf nicht weiterfahren und muss dem BAR-Mitarbeiter sein Rad als Pfand übergeben.

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Critical Mass in KA März 2015

Die Critical Mass ist eine internationale Form der direkten Aktion, mit der Radfahrer darauf aufmerksam machen möchten, dass sie ebenso wie motorisierte Fahrzeuge Teil des Straßenverkehrs sind. Eine Critical Mass hat nicht das Ziel, den Straßenverkehr zu blockieren, sie ist selber Teil des Straßenverkehrs – es geht vielmehr um ein gemeinsames Miteinander auf gleicher Augenhöhe. Je nachdem wie viele Radfahrer an so einer Veranstaltung teilnehmen, bleibt es aber natürlich nicht aus, dass der Verkehr doch ins Stocken gerät. Laut Straßenverkehrsordnung gelten mehr als 15 Radfahrer als ein geschlossener Verband. Dieser darf unter Einhaltung der Verkehrsregeln auf der Fahrbahn fahren und gilt von der Spitze bis zum Ende als ein Fahrzeug. Jeder kann sich vorstellen, was passiert, wenn sich so ein „Fahrzeug“ aus 50, 100 oder gar 1000 Radfahrern durch den Feierabendverkehr bewegt. Da kann man durchaus von einer “kritischen Masse” sprechen. In Karlsruhe fand so eine Aktion das letzte Mal vor vier Jahren statt.

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Infrastruktur für Radfahrer

Karlsruhe hat zwar beim Fahrradklimatest 2014 besser abgeschnitten als andere Städte, kann sich aber mit einer Durchschnittsnote von 3,2 auch nicht gerade stolz auf die Schultern klopfen. Insbesondere was die Qualität der Radwege anbetrifft gibt es bei uns noch Verbesserungspotential:

  • Oberfläche der Radwege: 3,3
  • Reinigung der Radwege: 3,6
  • Hindernisse auf Radwege: 3,6
  • Breite der Radwege: 3,6

Wenn unsere Kinder mit solchen Noten nach Hause kämen, würden wir wahrscheinlich säuerlich die Mundwinkel nach unten ziehen. Doch verglichen mit anderen Städten dieser Welt geht es uns noch richtig Gold.

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1. Internationaler Falschparker Tag

Parken auf dem Radweg

Parken auf dem Radweg

Letzen Mittwoch war 1. Internationaler Falschparker Tag. Ich habe keine Ahnung, wer sich diesen Tag ausgedacht hat, aber um mal ein Zeichen zu setzen gegen Falschparker, wie den oben im Bild, bestimmt keine schlechte Idee. Über Heyevent wurde der Tag schon seit längerem angekündigt. In Berlin wurde er medienwirksam zelebriert:

Ob so ein Tag etwas ändert am rücksichtslosen oder gedankenlosen Verhalten mancher Autofahrer, lassen wir mal dahingestellt. Aber warum nicht auch mal Gleiches mit Gleichem vergelten. Aber man sollte dennoch folgende „angelsächsische Weisheit“ nicht vergessen:

Two wrongs don’t make a right, but three rights make a left!

Verkehrskontrollen – Abzocke oder überfällige Notwendigkeit?

Wir hatten letzte Woche in der Innenstadt eine Verkehrskontrolle für Radfahrer. So eine Kontrolle für Nicht-Autofahrer findet nicht häufig statt. Umso überraschter und aufgebrachter sind dann diejenigen, die im Zuge dieser Kontrolle bei einem Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung erwischt werden:

Leserbrief von Montag, 1. Februar in der BNN

Leserbrief von Montag, 1. Februar in der BNN

Welche Fakten entnehmen wir dem empörten Leserbrief: Eine Radfahrerin ist bei Rot über die Kreuzung gefahren! An dieser Kreuzung herrscht erhöhte Unfallgefahr. Der Zirkel ist eine Einbahnstraße mit einem Gehweg, einem getrennt davon verlaufenden Radweg und einer Straße. An der Stelle, an der kontrolliert wurde, kann man (als Radfahrer) rechts in die Waldstraße abbiegen oder links – alle Verkehrsteilnehmer – an der Staatlichen Kunsthalle vorbei zum Schlossplatz kommen. Deshalb ist die Ampelschaltung wie folgt: Erst wird die Fußgängerampel grün, dann die Radfahrerampel und zum Schluss die Verkehrsampel für PKWs. Warum ist das zeitlich gestaffelt? Fußgänger sind langsamer als Radfahrer, Radfahrer sind langsamer als Autofahrer. Man will verhindern, dass es beim Abbiegen zu Unfällen kommt.

Von daher muss ich der Verfasserin des Leserbriefes vehement widersprechen. Was Frau Kohl als „Aufbessern der Kassen auf Kosten von Fahrradfahrern“ bezeichnet, nenne ich Ahnden eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung. Die StVO gilt nämlich nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Radfahrer und Fußgänger. Nur weil die Fußgängerampel schon auf Grün gesprungen ist, heißt das noch lange nicht, dass ich als Radfahrer auf dem getrennt vom Fußweg verlaufenden Radweg schon losfahren darf. Wenn die Ampel für Autofahrer und Radfahrer noch auf Rot steht, ist es vollkommen irrelevant, welche Farbe die Fußgängerampel hat. Ich gehe jede Wette, dass Frau Kohl nicht von „Abzocke oder Abkassieren“ geschrieben hätten, wenn ein Autofahrer links an ihr vorbei bei Rot über die Kreuzung gefahren und von der Polizei angehalten worden wäre.

Durch die vielen „kleinen“ Regelverstöße – mal kurz bei Rot über die Straße, es schaut gerade keiner; mal kurz ohne Licht gefahren, ich sehe ja noch was; mal kurz als Geisterfahrer entgegen die Fahrtrichtung gefahren, das geht schneller – ruinieren wir Radfahrer unseren Ruf doch im Grunde selbst.  Von daher finde ich es gut, dass auch wir kontrolliert und ggf. bestraft werden, wenn wir uns nicht an die geltenden Gesetze halten. Manche lernen es eben nur auf die harte Tour.

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