Wir waren am Samstag mal wieder in Straßburg. Wir waren schon früh aufgebrochen und kamen so gegen 11.00 Uhr in der elsässischen Metropole an. Eins fiel sofort auf – es waren für französische Verhältnisse unheimlich viel Radfahrer unterwegs. In Frankreich ist zwar der Radsport populär, aber das Rad als Fortbewegungsmittel im Alltag, zum Einkaufen und für den Weg zur Arbeit wurde noch nicht von der Mehrheit der Bevölkerung entdeckt.

Eine löbliche Ausnahme bildet da Straßburg. Insgesamt ziehen sich 560 Kilometer Radwege durch die Stadt. Das ist das größte zusammenhängende Radwegenetz in ganz Frankreich. Es gibt Leihfahrräder an jeder Straßenecke, ausreichend Abstellplätze und, was noch viel wichtiger ist, eine große Akzeptanz in der Bevölkerung.

Radfahrer in der Fußgängerzone von Straßburg

Stellt euch vor ihr würdet zur besten Einkaufszeit an einem Samstag durch die Fußgängerzone eurer Stadt radeln. Das wäre in Karlsruhe undenkbar. Ein wütender Mob von Fußgängern würde einen vom Rad zerren und am nächsten Bauzaun aufhängen. In Straßburg aber gelebte Realität. Fußgänger und Radfahrer teilen sich wie selbstverständlich die Wege. Kein Fluchen, kein wütendes Klingeln, sondern friedliche Koexistenz. Davon sollten wir uns in Deutschland mal eine Scheibe abschneiden.

Wer Straßburg und seine vielen Sehenswürdigkeiten an einem Tag entdecken will, der sollte entweder mit dem Rad anreisen oder sich auf eines der vielen Leihfahrräder schwingen. Die Beschilderung ist hervorragend und so hat man auch die Möglichkeit, die Piste des Forts bzw. den Radweg entlang des alten Festungsgürtels, der Ende des 19. Jh um die Stadt gebaut wurde, zu erkunden. Mit seinen 85 Kilometern ist er zwar nicht gerade kurz, aber man kann sich ja auf einzelne Forts beschränken.