Der Schwarzwaldverein wird 150 und hat wie viele andere Traditionsvereine auch ein Imageproblem. Fragt man Menschen über 40, was ihnen spontan zum Schwarzwaldverein einfällt, sagen sie bestimmt „Wandern, Naturschutz, Westweg“, während Jugendliche wohl eher „Kuckucksuhr und Hut mit Bommel“ erwidern werden. Dem Schwarzwaldverein haftet der Muff des Alten, Rückständigen und Hinterwäldlerischen an. Denn heutzutage wird nicht mehr gewandert, sondern man geht Hiken oder Trekken. Mit Wandern verbindet man Kniebundhosen und Senioren, mit Hiking oder Trekking atmungsaktive Kleidung und Sport. Waldlauf ist out, Joggen ist in. Radfahren ist langweilig, Mountainbiken und Downhill fahren cool, geil und krass. Deshalb hat der Schwarzwaldverein eine neue Zielgruppe entdeckt, um seine Nachwuchsprobleme zu lösen – uns Mountainbiker.

Bisher hat sich der Schwarzwaldverein folgende Ziele auf sein Fähnchen geschrieben:

Unsere Schwerpunkte sind WEGE, WANDERN, HEIMATPFLEGE, NATURSCHUTZ, JUGEND und FAMILIENARBEIT.

  • Wege

Was täten wir Radfahrer und Jogger ohne das extrem gut beschilderte Wegenetz des Schwarzwaldvereins. Ohne die vom Schwarzwaldverein angebrachten Schilder würde ich mit meinem Orientierungssinn doch gar nicht mehr aus dem Wald herausfinden. Wusstet ihr, dass der Schwarzwaldverein derzeit ein 23000 Kilometer langes Wegenetz pflegt und beschildert? Davon profitieren auch wir Mountainbiker und Läufer! Im wörtlichen Sinne ist der Verein also wegweisend, aber ist er es auch im übertragenen Sinne?

  • Wandern

Auch in unserer Gemeinde haben wir eine Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins. Dank des Engagements einzelner Mitglieder verirren sich auch viele Jugendliche über Familienwanderungen und spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche wie Geocaching, Nistkästen-Pflege, Nachtwanderungen, Waldklassenzimmer, etc. in den Verein und merken, dass Wandern nicht langweilig sein muss, sondern im Gegenteil sehr, sehr spannend sein kann.
Übrigens gab es bei uns im Schwarzwaldverein schon eine Mountainbike-Gruppe, als andere Ortsgruppen noch verbal auf die bösen, bösen Radfahrer eingeschlagen haben, weil die angeblich den Wald verschandeln und keine Rücksicht auf Wanderer nehmen.

  • Heimatpflege

Wenn ihr mich fragt, dieser Begriff gehört dringend gelöscht oder aufgehübscht. Damit lockt man heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, im Gegenteil „Heimatpflege“ schreckt ab. Wie wäre es mit Landschaftspflege oder irgendeinem englischen Schwachsinnsausdruck wie „let’s keep our forest tidy“ oder „back to the roots“.

  • Naturschutz

Naturschutz ist wichtig, Naturschutz kommt an, vor allem bei der Jugend. Sonst gäbe es nicht Die Grünen, kein Umschwenken auf erneuerbare Energien, kein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Naturschutz liegt uns allen am Herzen, der Schwarzwaldverein setzt sich aktiv dafür ein.

  • Jugend- und Familienarbeit

Gemeinsam die Natur erforschen, Neues entdecken, sich engagieren für den Erhalt der Wälder vor unserer Haustür.

Wie gesagt, der Schwarzwaldverein hat trotz der obengenannten Schwerpunkte Nachwuchsprobleme. Mitglieder brechen weg, die Jugend fühlt sich nicht angesprochen von Wortungetümen wie „Heimatpflege“. Daher wird derzeit auch Undenkbares diskutiert, nämlich die aktive Beteiligung des Schwarzwaldvereins an der erst jüngst vom Tourismusministerium erlaubten Ausweisung von Singletrails für Mountainbiker. Mountainbiker und Wanderer waren sich einst spinnefeind, haben sich aber laut einer Umfrage mittlerweile lieb, solange jeder Rücksicht auf den anderen nimmt. Durch die Übernahme der Beschilderung und Pflege dieser neuen Singletrails erhofft sich der Schwarzwaldverein natürlich auch den Zugang zu neuen Mitgliedern und einer jüngeren Klientel. Warum nicht, eigentlich wäre das für alle Beteiligten eine Win-Win-Lösung. Und dann können wir vernab unserer Waldautobahnen unser fahrerisches Können zeigen. Denn nicht jeder hat so einen tollen Bike Park wie in Bad Wildbad vor der Tür.