Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Radtour durchs Elsass

Ein kleines Kreuz an der falschen Stelle und dessen Folgen
Bei der Planung unserer sonntäglichen Radtouren greifen wir auch immer wieder gerne auf Wegbeschreibungen anderer zurück. Wozu das Rad noch mal neu erfinden bzw. sich Radstrecken überlegen, wenn andere das bereits für einen getan haben. Ein bei Radfahrern, Wanderern und Läufern beliebtes Suchportal für Mountainbike-, Rennrad-, oder Wanderstrecken ist GPSies (ausgesprochen Gypsies). Man kann von GPSies Strecken anderer herunterladen, eine neue Strecke anhand von Wegpunkten erstellen oder eigene Strecken hochladen. Alles was man braucht ist ein GPS-Gerät und eine gewisse Affinität fürs Internet.
Die Suche geht einfach. Man gibt den Ort ein, in dessen Nähe man ein Stecke sucht und grenzt durch Anklicken weiterer Suchoptionen ein: Streckenlänge, Höhenmeter, geeignet für Familien mit Kindern oder sportlich Ambitionierte, für Rennradfahrer oder Mountainbiker, eben oder hügelig, Single Trail, Schotter oder Straße, u.v.m. Man hat eine Fülle von Auswahlmöglichkeiten, so dass man seine Suche gezielt eingrenzen kann.

Eine Radtour, die wir über GPSies gefunden hatten, führte uns ins Nordelsass. Es handelte sich um eine Rundstrecke mit Start und Ziel in Wissembourg. Wir luden die Strecke auf unseren Garmin, packten die Crossräder aufs Auto und fuhren ins benachbarte Frankreich.

Die Strecke war wie folgt beschrieben:
Streckenläge: 77,41 km
Höhendifferenz: 335 Meter
Gesamtanstieg: 1.266 Meter
Gesamtabstieg: 1.264 Meter
Aktivität geeignet für: Fahrradtour, Rennrad
Strecke ist hügelig, einsam, ruhig, fest
Art des Weges: Straße

Gegen 10 Uhr morgens fuhren wir in Wissembourg los. Kaum ein Mensch war um diese Zeit unterwegs. Der erste Streckenabschnitt nach Hundsbach über Seebach verlief relative flach. In Seebach kam die erste Überraschung. Die Bewohner dieses wunderschönen Ortes mit vielen Fachwerkhäusern bereiteten sich gerade auf DAS Ereignis des Jahres vor – der „STREISSELHOCHZEIT“. Das ganze Dorf war abgesperrt für Fahrzeuge sämtlicher Art (auch Fahrräder). Nur mit Eintrittskarte konnte man sich das Treiben auf den Gassen und Hinterhöfen ansehen. Wer sich das von euch fürs nächste Jahr schon mal vormerken will, hier der Link mit Fotos und weiteren Infos.
Hinter Soultz-sous-Forêts, Woerth und Froeschwiller kamen die ersten kleineren Rampen. So hatten wir uns das ja auch vorgestellt. Hügelige Landschaft, Wald und Wiesen und ab und zu mal ein malerisches Dorf. Was wir uns allerdings nicht so vorgestellt hatten, war die Wegbeschaffenheit der Strecke hinter Niederbronn. Ausgerechnet dort, wo eine richtige Rampe auf uns wartete, wurde aus der Straße ein geschotterter, wurzelbehafteter Waldweg. Bei GPSies hieß es bei Wegbeschaffenheit lapidar „Straße“. Also nahmen wir – und mit uns 99,9 % aller GPSies Benutzer  – an, dass dies für die komplette Strecke gelten würde. Straßen sind laut GPSies asphaltiert. Alles, was nicht asphaltiert ist, ist Schotterweg, Sandweg, Single Trail, Wirtschaftsweg, Pfad oder Querfeldein. Was waren wir froh, dass wir unsere Crossräder mitgenommen hatten und nicht die Rennräder. Nur mit Mühe und fast im kleinsten Gang ächzten wir eine gefühlte Ewigkeit über den holprigen Waldweg den Berg hoch und auf der anderen Seite im halsbrecherischen Tempo auf einem ähnlich unbefestigten Waldweg wieder hinunter. Wie man diesen Streckenabschnitt mit dem Rennrad gefahren sein will, ist mir schleierhaft.
Liebe(r) wlenz,  der/die Sie diese Strecke hochgeladen und als Rennrad tauglich beschrieben haben, wenn Sie diese Zeilen lesen, schreiben Sie mir bitte. Dann treffen wir uns in Wissenbourg und fahren Ihre Tour gemeinsam nach – Sie mit Ihrem Rennrad und ich mit meinem Crossrad. Wenn Sie es schaffen, diesen Weg mit Ihrem Rennrad unbeschadet und ohne Platten zu meistern (im Sattel versteht sich), dann gehen wir hinterher fein essen in Niedersteinbach im „Au Cheval Blanc“ und Sie weihen mich ein in die Kunst des Rennradfahrens.
Ich nehme mal an, dass Sie am Ende der Tour so erschöpft waren, dass Sie das Kreuz nur ausversehen an der falschen Stelle gemacht haben. Die Tour an sich war wirklich wunderschön, auch gegen Schotter- und Waldwege ist nichts zu sagen. Aber man muss im Vorfeld wissen, was einen erwartet, damit man nicht zum falschen Rad greift. Wenn wir die Rennräder genommen hätte, dann hätten wir diese schultern und über mehrere Kilometer den Berg hoch und wieder runter schleppen müssen.
Deshalb meine Bitte an alle GPSies Benutzer: Wenn Ihr eure Strecken hochladet, macht eure Kreuzchen an der richtigen Stelle, ansonsten könnten insbesondere untrainierte Radfahrer oder Familien ihr blaues Wunder erleben.

 

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Mein erstes Mal – auf einem Einrad

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Stramme Waden

  1. Birgit

    Im Elsass (oder wahrscheinlich) in ganz Frankreich sollte man Ausschau nach sog. Routes Forestières halten. Diese Forstwege sind i.d.R. gut zu fahren. Ich habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass diese nicht unbedingt in den gps-Karten vermerkt sind. Ansonsten kann ich gut nachvollziehen, wie ärgerlich es ist, wenn man falschen Informationen folgt.

  2. Birgit

    Mindestens so nervig wie falsche Angaben sind unklare Angaben. Wer möchte denn schon Touren wie „Weg zur Arbeit“, „1. Mai“ oder „Campingplatz“ nachfahren?

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