Vom 28. – 30. Januar findet in Goslar der Verkehrsgerichtstag statt. Auf der Agenda steht auch die geltende Promille-Grenze für Radfahrer. Schon fünf Tage vor der Veranstaltung waren die Zeitungen voll mit Berichterstattungen über die mögliche Herabsetzung dieser Promille-Grenze.

Derzeit liegt der Alkohol-Grenzwert bei 1,6 Promille. Wer weniger Alkohol im Blut hat und unauffällig fährt, muss nicht einmal ein Bußgeld fürchten. Das will man in Zukunft ändern, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass alkoholbedingte Ausfallerscheinungen bei Fahrradfahrern bereits ab 1,1 Promille stark zunehmen.  Deshalb steht zur Debatte, die Grenze für die strafbare absolute Fahruntüchtigkeit auf den für Autofahrer geltenden Wert von 1,1 Promille zu senken. Soweit der Hintergrund. Das war längst überfällig.

Kaum war die Agenda des Verkehrsgerichtstages veröffentlicht, stürzten sich die Gazetten auf das Thema Promillegrenze für Radfahrer. Man hätte meinen können, wir hätten schon jetzt das berühmte Sommerloch. Begleitet war die Berichterstattung in der Regel mit einem Radfahrer mit einer Bierflasche in der Hand. Suggeriert wurde damit im Grunde, dass Radfahrer sich gerne alkoholisiert aufs Rad schwingen. Dabei gibt es doch derzeit weiß Gott genug Krisen auf der Welt, über die es sich lohnen würde zu berichten. Damit will ich das Thema „Alkohol am Lenker“ nicht verniedlichen, aber muss man die Berichterstattung wie folgt betiteln:

Welt:
Alkohol am Lenkrad – So betrunken fahren Deutschlands Radler

Spiegel Online
Verkehrsregeln: Das blüht blauen Radlern

Hamburger Abendblatt
Schluss mit Vollrausch am Lenker

Bild
Neue Promille Grenze für Suff-Radfahrer

Berliner Kurier
Dürfen wir bald nicht mehr betrunken Radfahren?

Süddeutsche
Betrunken aufs Fahrrad – Wo liegt die Grenze?

Tagesspiegel
Betrunken aufs Fahrrad – damit soll bald Schluss sein

Nach so viel Alkohol am Lenker muss ich jetzt erst mal was trinken, sonst passe ich nicht ins Bild, denn Radfahrer scheinen ja per se gerne und oft alkoholisiert in die Pedale zu treten.