„Jeder Zweite fühlt sich auf dem Rad nicht sicher“, lautete die Überschrift eines Blogbeitrags vom 10. März auf Zeit Online.

Sicherheit ist weiterhin ein heikles Thema. Annähernd jeder Zweite fühlt sich auf seinem Velo im Straßenverkehr nicht wirklich sicher. Das ist viel und birgt noch viel Potenzial für Verbesserungen. Hier hat die Bundesregierung noch einigen Spielraum, wenn sie den Anteil der Radfahrer im Straßenverkehr steigern möchte.

Jetzt könnte man als Leser meinen, dass die mangelnde Sicherheit der Grund dafür ist, dass verhältnismäßig wenig Menschen mit dem Rad zur Arbeit fahren. Es stimmt zwar, dass knapp die Hälft der Befragten die Sicherheitslage auf den Straßen bemängelten, diese ist aber nicht der Grund dafür, dass nach wie vor das Auto des Deutschen liebstes Kind ist. Wenn man sich die Ergebnisse des Fahrrad-Monitors 2013 etwas genauer anschaut, kommt man zu einer etwas anderen Erkenntnis.

  • Der Weg ist zu lang

Nur 13 % der Befragten gaben an, dass ihnen das Rad als Verkehrsmittel zu gefährlich sei und sie deshalb nicht damit zur Arbeit fahren würden. Nach dem Warum befragt, nannten 80 % zu viel Autoverkehr, 49 % mangelnde Radwege und 34 % schlechte Beleuchtung. Nicht die mangelnde Sicherheit ist also für die Mehrheit (68 %) der Bundesbürger ausschlaggebend dafür, warum sie nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren, sondern der weite Anfahrtsweg und der damit verbundene hohe Zeitaufwand (36 %).

  • Anfahrtswege über 10 Kilometer fährt kaum einer

Ich fürchte, dass wir die meisten dieser 68 % auch nicht mit noch so gut markierten und beleuchteten Radwegen dazu bringen werden, aufs Auto zu verzichten und stattdessen mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Schaut man sich nämlich mal die Strecken an, die im Durchschnitt mit dem Rad zur Arbeit zurückgelegt werden, merkt man sofort, dass da nicht viel Spielraum ist. 67 % derer, die angaben mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, hatten einen durchschnittlichen Anfahrtsweg von 5,6 km. 33 % gaben an, dass sie öffentliche Verkehrsmittel und ihr Rad kombinieren würden. Von der durchschnittlich zurückgelegten Anfahrtsstrecke zur Arbeit (8,5 km) wurden lediglich 4,6 Kilometer mit dem Rad gefahren.

Versteht mich nicht falsch, natürlich muss das Radwegenetz weiter ausgebaut werden. Natürlich besteht insbesondere in ländlichen Gebieten noch enorm viel Nachholbedarf. Verglichen mit anderen Gemeinden in Deutschland sind wir in Karlsruhe in punkto Radwegenetz wirklich verwöhnt.

Überall dort, wo gebaut wird – und das ist gefühlt in der ganzen Stadt – entstehen auch neue markierte Radwege und Radabstellmöglichkeiten. Schließlich haben wir ja auch große Ambitionen. Wir wollen Fahrradstadt Nr. 1 in Süddeutschland werden. Und da müssen wir uns schon strecken, denn die Konkurrenz schläft nicht.