Zugegeben, E-Bikes oder Pedelecs sind für mich was Walker und Nordic Waker für Achim Achilles sind. Achim Achilles mag keine Walker / Nordic Walker und nennt sie zuweilen auch schon mal Presswürste und ich mag keine E-Bikes oder Pedelecs. Dabei ist Achim Achilles alias Hajo Schumacher wahrscheinlich noch nie gewalkt und meine Erfahrungen mit dem E-Bike sind ebenso theoretischer Natur. Ich mag E-Bikefahrer einfach nicht, schon gar nicht, wenn sie mich am Berg überholen, meist junge Kerle, die eigentlich fit genug sein müssten, mit einem normalen Rad und Körperkraft an mir vorbeizuziehen. Letzte Woche also mein erster Körperkontakt mit einem E-Bike.

Fahr doch mal mit dem Rad da unten. Das quietscht angeblich. Ich bin damit schon zig Mal die Straße auf und ab gefahren und habe nichts gehört. Du fährst doch jeden Tag mit dem Rad. Wenn jemand die Ursache findet, dann du.

Was mein Kollege mir nicht gesagt hatte war, dass es sich bei dem Rad um kein normales Rad, sondern ein E-Bike handelte. Da ich bereits zugesagt hatte, das Rad zu testen, konnte ich ja nicht mehr kneifen. Mein Kollege wusste ganz genau, dass ich ein eher angespanntes Verhältnis zu E-Bikes und Pedelecs habe. „Hoffentlich sieht mich keiner“ war meine größte Sorge. Also machte ich mich – die Mütze unterm Helm tief in die Stirn gezogen, mit Sonnenbrille und Buff-Tuch bis über die Nase – auf den Weg, das Vehikel zu testen, ohne Motor versteht sich, schon allein wegen der Ehre. Erster Eindruck: man ist der Stößer schwer. Zweiter Eindruck: wendig ist anders. Doch als trainierte Radfahrerin hatte ich das Teil schon nach ein paar Metern auf über 25 km/h getrieben. Und richtig, es quietschte. Die Bremse gab Töne von sich, dass ich Angst hatte, sie würde komplett blockieren und mich wie das Pferd den Reiter vornüber abwerfen.

Fazit:

Für mich ist so ein Gefährt nichts und wird es hoffentlich auch nicht so bald werden. Dafür bin ich zu fit und zu „jung“. Doch was für mich gilt, muss ja nicht für andere gelten. E-Bikes und Pedelecs haben sich ja auch vom Äußeren her gemausert. Die Akkus sind kleiner geworden, die Reichweite höher. Musste man noch vor ein paar Jahren alle 50 km eine Steckdose suchen, reicht die Reichweite der Akkus neuerer Räder heute locker um ein Vielfaches. Viele Akkus sind so klein, dass man sie erst beim zweiten Hinschauen entdeckt. Laut Aussage meines Schraubers verkauft er derzeit mehr E-Bikes als „normale“ Räder. Und die Zahlen belegen, dass Fahrradhändler in Deutschland und in anderen Ländern der Welt die gleichen Erfahrungen machen.
Hauptkäuferschicht: Leute zwischen 30 und 50, die damit zur Arbeit fahren. Benzin ist teuer, Parkplätze in der Stadt eher rar und die Straßen verstopft. Es ist durchaus nachzuvollziehen, dass da so manch einer umsattelt aufs E-Bike. Nicht jeder hat wie ich die Möglichkeit, sich morgens im Büro umzuziehen oder zu duschen und nicht jeder hat Spaß am Rad fahren per se. Legitim finde ich E-Bikes auch für Leute, die aufgrund einer Verletzung, einer Behinderung oder aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters ihr normales Rad nicht mehr nutzen können, aber auf Bewegung an frischer Luft nicht verzichten wollen.
Super ist so ein batteriebetriebenes Gefährt auch für Paare, wo einer fit ist und viel und gern Rad fährt, der andere aber nicht. Mit einem E-Bike sind gemeinsame Radtouren, selbst gemeinsame Mountainbike Touren, wieder möglich.

Routinierte Radfahrer können mit einem relativ schweren E-Bike, das immerhin recht flott voran kommt, umgehen. Wer aber lange kein Rad mehr gefahren ist und aus eigener Körperkraft mal gerade 15 km/h zustande bringt, sollte es mit einem E-Bike langsam angehen lassen und üben.  Nützliche Tipps zum Thema E-Bike gibt es beim ADFC. Viele ADFC Ortsgruppen bieten übrigens auch ein Fahrschultraining für Erwachsene an.