Viele von euch haben bestimmt schon mal offizielle, von der Polizeit verfasste Unfallmeldungen gelesen. Sehr oft werden ganze Passagen davon unreflektiert in der Lokalpresse veröffentlicht. Der Blog PresseRad hat informativ und auf unterhaltsamer Weise untersucht, wie der Radfahrer in solchen Pressemitteilungen dargestellt wird (leider ist der Blog nicht mehr online):

Gerne übersehen, oft touchiert, ohne Helm längst tot, und gegen Verkehrsregeln verstoßend, die niemand korrekt erklären kann.

Wenn man Unfallmeldungen liest, in denen Radfahrer das Opfer sind, könnte man meinen, die hätten sich allesamt selbst verletzt, sprich die Verletzung selbst zugeführt. Zwischen den Zeilen wird außerdem häufig eine gewisse Mitschuld suggeriert durch Sätze wie:

Radfahrer, der keinen Helm trug, verletzte sich schwer.

Erst einmal haben wir keine Helmpflicht und zweitens ist so ein Helm auch keine Wundermittel gegen jede Verletzung.

Was will man dem Leser mit folgendem Satz mitteilen?

Der unbehelmte Junge brach sich einen Fuß und erlitt schwere Verletzungen an den Händen.

Unterschwellig gibt man hier dem Jungen doch eine Mitschuld an seinen Verletzungen, nach dem Motto hättest du einen Helm getragen, wäre das nicht passiert.

Formulierungen und Floskeln diesen Kalibers nahm @PresseRad in seinem Blog und auf Twitter gekonnt aufs Korn. Die Unfallmeldung der Polizei Heilbronn kommentierte @PresseRad dann so:

Sturzbedingte, schwere #Sichselbstverletzung aufgrund #Übersehenwerden

@PresseRad bringt es auf den Punkt

Aufofahrer – die Hauptverursacher von Unfällen, an denen Radfahrer und PKW beteiligt sind –  kommen dagegen häufig positiv in Unfallmeldungen weg. Sie haben dann immer nur kurz auf ihr Handy geschaut und waren nur Sekundenbruchteile abgelenkt. Die Sonne hat sie geblendet oder der vorfahrtsberechtige Radfahrer ist urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht und den haben sie dann einfach übersehen.

Leider hat @PresseRad aufgehört zu bloggen.