Fünf Tage sind seit meinem Unfall vergangen. Jeden Tag hatte ich eine andere Ausrede, nicht aufs Rad steigen zu müssen. Am Freitag war ich noch krank geschrieben. Am Samstag bin ich zu Fuß zum Bäcker gegangen und musste auch alle anderen Erledigungen plötzlich unbedingt mit dem Auto machen. Am Sonntag taten die Prellungen komischerweise mehr weh, als am Tag des Unfalls. Blaue Flecken ziehen sich mittlerweile ín schillernden Farben von der Schulter zum Ellenbogen und von den Knien zum Knöchel. Die Schürfwunde am Kinn pochert und will einfach nicht verheilen. Gestern hat es geregnet und ich konnte schon wieder einen Grund vorschieben, warum ich nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren konnte.

Doch das waren alles nur vorgeschobene Gründe. Regen, Schnee oder Kälte haben mich sonst noch nie vom Rad fahren abgehalten. Ich hatte einfach Angst, mich wieder aufs Rad zu setzen. Heute habe ich mich überwunden. Ich bin wieder mit dem Rad ins Büro gefahren. Mit dem Rad, mit dem ich vor fünf Tagen verunfallt bin. Das Rad hat den Unfall bis auf ein paar Kratzer am rechten Bremshebel und einem defekten Schutzblech unbeschadet überstanden, und trotzdem habe ich mich heute unwohl gefühlt. Was, wenn es doch Schaden genommen hat, einen Riss oder Defekt hat, den man nicht sieht … ? Schließlich bin ich mindestens 20 km/h gefahren, als ich auf ein stehendes Hindernis geprallt bin. Die Angst fuhr mit. So langsam wie heute war ich schon lange nicht mehr unterwegs.