Mit Critical Mass meine ich jetzt nicht die für eine Kettenreaktion nötige Mindestmasse spaltbarer Stoffe, sondern eine Aktion, bei der sich möglichst viele nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer, also vor allem Radfahrer, angeblich zufällig treffen, um mit einer gemeinsamen Protestfahrt durch die Stadt auf die Nöte der Radfahrer aufmerksam zu machen.

Bei uns in Deutschland besagt die Straßenverkehrsordnung, dass mindestens 15 Radfahrer zusammen fahren müssen, damit sie als ein geschlossener Verband gelten. Ein geschlossener Verband gilt als ein Fahrzeug. Dieses „Fahrzeug“ darf nicht nur hintereinander, sondern auch zu zweit nebeneinander fahren. Ein Radverband muss nicht auf dem Radweg fahren, sondern darf auch die Straße neben einem Radweg benutzen.

Ihr könnt euch vorstellen, was passiert, wenn sich anlässlich einer solchen Aktion nicht nur 15, sondern hunderte oder tausende von Radfahrern „zufällig“ treffen und auf der Straße fahren. Da gibt es Staus, da gibt es Aufmerksamkeit in den Medien, da kann man eine Botschaft rüberbringen. Eine Critical Mass will zwar nicht den Straßenverkehr an sich blockieren. Wozu auch, ist sie doch selbst Teil des Straßenverkehrs. Aber sie will aufmerksam machen auf die Belange der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer.

Critical Mass Aktionen finden in der Regel einmal im Monat, meist am letzten Freitag im Monat, statt. In Karlsruhe hat die Grüne Hochschulgruppe im Oktober 2011 versucht, eine Critical Mass ins Rollen zu bringen, aber vergeblich. Muss mich das beunruhigen? Nein! Im Gegenteil, das beruhigt mich. Denn gegen was will ich protestieren? Gegen die vorhandenen Radwege? Gegen die Radstraßen? Gegen die neuen Leihräder?

Ich bin richtig froh, dass in Karlsruhe bisher keine erwähnenswerte Critical Mass Aktion stattgefunden hat. Zeigt das doch, dass es uns, was das Radwegenetz anbetrifft, relativ gut geht.