Seit einen Monat hat Berlin eine Fahrradstaffel. Viel wurde darüber in der Presse berichtet. Man hätte den Eindruck gewinnen können, als hätten die Berliner die Fahrradstaffel erfunden. Darüber können Städte wie Hamburg, Münster, Leipzig oder Braunschweig nur schmunzeln. Dort gehört der Schutzmann auf dem Fahrrad schon seit Jahren zum gewohnten Stadtbild.

Laut Stadtmarketing ziehen sich gut 150 Kilometer Fahrradwege durch die Stadt Karlsruhe. Mich wundert, dass ich auf diesen vielen Radwegen noch nie einen Polizisten auf dem Rad gesehen habe. Schließlich will Karlsruhe zu einer Fahrradhochburg, wenn nicht sogar zu DER Fahrradhauptstadt werden. An der Infrastruktur in Form von Fahrradstraßen, Radwegen, Fahrradabstellplätzen oder Haltegriffen an Ampeln wird fleißig gearbeitet.

Haltegriff für Radfahrer an einer Ampel

Haltegriff für Radfahrer an einer Ampel

Doch in punkto Verkehrssicherheit und Verhalten im Straßenverkehr haben wir noch enorm Potential. Eine Fahrradstaffel der Polizei könnte hier eine Lücke schließen zwischen Fußstreife und motorisierter Streife.

Das zunehmende Radverkehrsaufkommen erfordert neben entsprechenden Investitionen in die Infrastruktur auch eine Verbesserung der polizeilichen Überwachung. Das betrifft sowohl Verstöße von Radfahrern, als auch von Kraftfahrern gegenüber Radfahrern.

Ob Radstaffeln der Polizei unsere Straßen sicherer machen, ist zwar nicht bewiesen, aber angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen, wundert es schon, dass nicht in jeder Stadt Deutschlands auch Polizisten auf dem Rad Streife fahren. Aufgrund der vielen Baustellen in unserer Stadt, sind viele Orte mit dem Fahrrad viel besser und schneller erreichbar als zu Fuß oder mit dem PKW. Ich bin nicht für mehr Polizeipräsenz und schon gar nicht für den Polizeistaat, nur für eine Umverteilung. Ein Polizist auf dem Rad könnte mit gutem Beispiel voran gehen und den Kontakt zum Bürger viel eher und intensiver herstellen, als es der motorisierte Schutzmann kann.

Radfahrer, die bei Rot über die Kreuzung fahren, als Geisterfahrer unterwegs sind oder bei Dunkelheit ohne Licht durch die Stadt radeln, wären vielleicht eher geneigt, ihr Fehlverhalten einzusehen, wenn Polizisten auf dem Rad sie in flagranti erwischen würden.

Außerdem könnte die Polizei ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten und gleichzeitig eine Menge Geld sparen.