Eine Erkältung hat mich aus der Bahn geworfen und auf Anraten des Arztes kann ich eine Woche weder joggen noch Rad fahren. Ich könnte die Decke hochgehen. Immer wieder schaue ich sehnsüchtig nach draußen. Wenigsten das Wetter hat ein Einsehen. Es ist trüb und regnet. Doch trotz dieses Schmuddelwetters wäre ich jetzt lieber draußen auf meinem Rad als drinnen in der Stube. Sind das bereits die ersten Anzeichen von Sucht? Ausdauersport, so heißt es doch immer, sei gut für Körper, Geist und Seele. Macht ein Zuviel davon etwa auch süchtig? Nichtsportler würden im Leben nicht daran denken bei diesem Wetter nach draußen zu gehen. Ich würde alles dafür geben, könnte ich jetzt meine Laufschuhe anziehen und eine Runde joggen oder mich aufs Rad schwingen, um ein wenig durch den Wald zu fahren.
Wenn ich nicht auf die Warnsignale meines Körpers und den Rat meines Arztes hören würde, ja, dann wäre das ein Zeichen dafür, dass ich suchtgefährdet bin. Komisch, dass man auch süchtig werden kann nach etwas, dass – wenn in Maßen genossen – gut ist für die Gesundheit. Wenn aus Spaß am Sport Zwang zum Sport wird,  ist der Schritt zur Abhängigkeit nicht mehr weit.  Wer meint, täglich Sport treiben zu müssen, wer schlecht drauf ist und nicht mehr schlafen kann, sprich ein „Kotzbrocken“ für seine Umwelt ist, wenn er mal einen Tag nicht Sport treiben kann, der sollte vielleicht mal in sich gehen, ob er / sie sich nicht doch mal in ärztliche bzw. psychologische Behandlung begeben sollte.
Doch ähnlich wie bei der Alkoholsucht, dauert es lange bis der  Sportsüchtige sich eingesteht, dass sein Verhalten zwanghaft ist. Neben der Zwanghaftigkeit, zeigt sich die Sportsucht auch daran, dass das ganze Leben sich nur noch um den Sport dreht. Familie und Freunde werden unwichtig und treten in den Hintergrund und soziale Kontakte außerhalb des Sports werden vernachlässigt. Oft geht die Sportsucht auch einher mit massiven Essstörungen. Der Sport als Mittel zur perfekten Figur, wobei „perfekt“ meist extrem dünn ist.

Meiner Meinung nach besteht die Gefahr der Sportsucht darin, dass die Grenze zwischen dem, was gesund und wünschenswert ist und dem was unserem Körper schadet, sehr schwammig und unscharf ist. Als Ausdauersportler bewundern wir Menschen, die durch Disziplin, hartes Training und große Opferbereitschaft sportliche Erfolge erzielen. Sie sind für uns der Inbegriff des wahren Athleten.
Was jedoch den Sportsüchtigen vom Athleten unterscheidet ist folgendes: Wenn der Sportsüchtige feststellt, dass trotz seines vielen Trainings die Leistung stagniert oder gar sinkt, erhöht er das Trainingspensum und pausiert weniger. Der Athlet hingegen schaut aufs Große und Ganze und stellt sein Trainingsprogramm um, ohne auf Erholungspausen zu verzichten.

Sport im Allgemeinen und Ausdauersport im Speziellen sollte immer ein spielerisches Element haben. Sport ohne Spaß geht gar nicht. Selbst Profisportler lieben ihren Sport.  Befragt euch selbst. Wer von euch sich in vielen der folgenden Aussagen erkennt, treibt seinen Sport nicht mehr aus Freude an der Sache, sondern zwanghaft und sollte vielleicht doch mal einen Psychologen zu Rate ziehen.
• Ich habe in jüngster Zeit wichtige soziale Verpflichtungen und Feste im Kreis der Familie verpasst, um zu trainieren.
• Ich habe andere Hobbys aufgegeben und verbringe kaum noch Zeit mit Freunden, um mehr trainieren zu können.
• Kann ich mal einen Tag nicht trainieren, bin ich gereizt und habe schlechte Laune.
• Ich fühle mich nur gut, wenn ich Sport treibe oder gerade Sport getrieben habe.
• Training finde ich besser als alles andere auf der Welt, ja es gibt eigentlich nichts, was ich lieber tue.
• Ich trainiere auch wenn ich krank, verletzt oder erschöpft bin. Ich fühle mich sowieso nur gut, wenn ich mich bewege.
• Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich noch mehr trainieren.
• Meine Familie und Freunde finden, dass ich zu viel trainiere.

Und? Erkennt der Eine oder Andere sich wieder? Seid ehrlich zu euch selbst.