Das Rad - Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Jahr: 2015 Seite 2 von 15

Radfahrstreifen vs. Schutzstreifen

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Radfahrstreifen und einem Schutzstreifen? Die meisten Menschen wissen wahrscheinlich gar nicht, dass es so etwas wie einen Schutzstreifen überhaupt gibt. Die Unterscheidung ist simpel: Radfahrstreifen sind durch einen ca. 25 cm breiten durchgezogenen weißen Streifen deutlich von der Fahrbahn abgetrennt, während die Markierung für den Schutzstreifen gestrichelt und nur etwa 12 cm breit ist. Nicht nur die gestrichelte Linie ist schmäler, auch der für uns Radfahrer zur Verfügung stehende Raum selbst. Insbesondere im Feierabendverkehr wünsche ich mir dann die 2-Meter Regel, die für Radfahrer in den Wäldern Baden-Württembergs gilt. Dann würde ich mich bestimmt gleich viel sicherer fühlen.

Schutzstreifen

Schutzstreifen

Der Schutzstreifen suggeriert zwar Sicherheit, damit ist es aber nicht weit her. Diese schmerzliche Erfahrung durfte ich ja bereits vor ein paar Monaten selbst machen. Autos dürfen die gestrichelte Linie nämlich in Ausnahmefällen überfahren. Sie dürfen auf einem Schutzstreifen zum Be- und Entladen sogar halten. Dann heißt es für uns Radfahrer nach links auf die Fahrbahn ausweichen. Parken ist allerdings auch auf Schutzstreifen nicht erlaubt. Aber wo kein Richter ist, ist auch kein Henker. Die Polizei kann unmöglich überall in der Stadt kontrollieren, wie lange ein Fahrzeug bereits auf einem Schutzstreifen steht.

Die breiteren Radfahrstreifen sind durch Schilder und blaue Piktogramme gekennzeichnet. Auf ihnen darf weder gehalten noch geparkt werden. Daran halten sich aber nicht alle PKW-Fahrer. Beispiele dafür gibt es zuhauf (z.B. auf Twitter bei #thingsonbikelanes). Aber jeder Radfahrer kann davon ein Lied singen.

Radwege sind keine Parkplätze

Gestern hat es mich seit langem mal wieder mit dem Rad in die Innenstadt von Karlsruhe verschlagen. Ich bin bewusst nicht den direkten Weg von der Nordweststadt über die Moltkestraße in die Stadtmitte gefahren, weil ich dachte, dass da abends um 17 Uhr zu viel Verkehr wäre. Stattdessen bin ich erst an der Alb lang Richtung Bahnhof und dann über die Karlstraße am Bundesgerichtshof vorbei zum Friedrichsplatz geradelt. Auch wollte ich mir die frisch markierten neuen Radwege in der Karlstraße anschauen.

Der neu angelegte Radweg ist breit, gut markiert und deutlich mit Schildern und weißen bzw. blauen Piktogrammen gekennzeichnet. Trotzdem meinten eine Reihe von PKW-Fahrern ihn als Parkplatz nutzen zu müssen. Nur zur Erinnerung – das ist verboten. Selbst das Halten auf solch einem Radweg ist nicht erlaubt. Das kann sogar mit Bußgeld geahndet werden.

Paketbote im Halteverbot

Paketbote im Halteverbot

Die Warnblinkanlage macht die Sache auch nicht besser. Das Halten auf einem Radweg ist einfach verboten. Ich habe für Paketboten zwar noch ein Stück weit Verständnis, aber die Straßenverkehrsordnung gilt auch für sie.

Das nächste Hindernis ein paar Meter weiter war ein Mini. Der Fahrer – ein junger Kerl, der eigentlich noch ganz gut zu Fuß war – wollte nur mal kurz was einkaufen gehen.

Auch Minis dürfen hier nicht halten

Auch Minis dürfen hier nicht halten

Keine zehn Meter weiter kam dann der Bolide. Durchkommen unmöglich:

Je größer das Auto, desto dreister der Fahrer?

Je größer das Auto, desto dreister der Fahrer?

Ich bin ja komplett vorurteilsfrei 😉 aber manchmal habe ich das Gefühl, dass mit der PS Zahl der Fahrzeuge auch die Dreistigkeit der Fahrer steigt. Aber was weiß ich schon. Wahrscheinlich musste dieser Fahrer wichtige Bankgeschäfte tätigen, die keinen Aufschub duldeten.

Fahrradgeräusche

Ich brauche keine Klingel, man hört mich auch so schon von weitem. Klack, klack, klack – bei jeder Kurbelumdrehung macht es ein metallenes Geräusch. Leider tut mir mein Fahrrad nicht den Gefallen, dieses Geräusch auch zu erzeugen, wenn ich es am Montageständer befestigt habe. Dann höre ich außer einem leichten Knirschen der Kette gar nichts. Ich kann also nicht orten, wo das Geräusch überhaupt herkommt – von der hinteren Kassette oder von weiter vorn. Que faire? Google zu befragen, ist auch nicht hilfreich, das weiß ich aus Erfahrung.

Fahrradabstellplätze

Das Fahrrad als Transportmittel ist die Lösung für viele Verkehrsprobleme, wie z.B. Staus und Umweltverschmutzung. Insbesondere in Karlsruhe, der Geburtsstadt des Fahrrads, schwingen sich immer mehr Menschen aufs Rad um von A nach B zu kommen. Der Anteil der Radfahrer nimmt stetig zu. Trotz dieser Tatsache sind noch viele Probleme, vor allem was die Infrastruktur anbetrifft, ungelöst. Der Zustand mancher Radwege ist desolat. Sie sind entweder zu schmal oder so holprig, dass viele Radfahrer aus eigener Sicherheit gleich auf die Straße ausweichen. Der Genehmigungsprozess für die Ausweisung von Fahrradstraßen, wie z.B. die Bahnhofstraße zwischen dem Karlsuher Hbf und der Beiertheimer Allee, dauert eine gefühlte Ewigkeit und stößt bei Autofahrern auf Widerstand und Unverständnis. Fahrradabstellplätze nehmen viel Raum ein und „verschwenden“ in den Augen mancher Stadtväter zu viel teuren Bauplatz. Aber irgendwo müssen wir unsere Fahrräder ja parken. Und wenn man nicht will, dass „wild“ abgestellt wird wie auf dem Bild unten, dann müssen andere Lösungen her.

Wildes Parken auf dem Bahnhofsvorplatz

Wildes Parken auf dem Bahnhofsvorplatz

Die Fahrradabstellplätze der Gegenwart nehmen viel Platz ein:

Fahrradabstellplatz ECE

Fahrradabstellplatz ECE

Die Zukunft sieht anders aus: Eco Cycles sind Fahrradgaragen in Form von Türmen, die oberhalb und auch unterirdisch gebaut werden können. So sehen sie aus:

Fahrradabstellplatz (Bild: eco-cycle)

Fahrradabstellplatz der Zukunft (Bild: eco-cycle)

In London soll jetzt so ein vollautomatischer Fahrradturm aufgestellt werden. Bis zu 204 Fahrräder finden darin Platz.

In Karlsruhe wird ja gerade wegen der Kombilösung sowieso überall gebaut, die Erde aufgerissen, mit gigantischen Bohrern untertunnelt und die Verkehrsführung geändert. In dem Zuge könnte man doch auch gleich ein weiteres Problem der Zukunft angehen: Wohin mit den vielen Fahrrädern? Schließlich sollen noch mehr Bürger als bisher vom Auto aufs Rad umsteigen. Und dann wird es wirklich eng in der Innenstadt, am Hauptbahnhof und an neuralgischen Punkten wie der Uni, dem ECE und vielen Schulen. Wir können doch angeblich alles – außer hochdeutsch, versteht sich.

5 Grad und Schneeregen

Bei diesem Wetter fahren nur Hartgesottene mit dem Rad: Ich zum Beispiel. Komischerweise macht mir das überhaupt nichts aus, morgens um 6 Uhr bei knapp über Null Grad und Schmuddelwetter mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Dank meiner Überhandschuhe habe ich auch keine kalten Hände. Das war früher immer mein größtes Problem. Aber die Overmitt II von VAUDE schützen vor Kälte, Fahrtwind und Nässe. Doppelt gewappnet mit warmen Skihandschuhen und den Overmitt II, habe ich auch bei diesem Wetter immer warme Finger. Wählt die Überhandschuhe nicht zu groß. Wenn eure Handschuhgröße 8 ist, wählt auch die Überfäustlinge in 8. Bei den Größen ist bereits berücksichtigt, dass man darunter noch andere Handschuhe trägt. Das einzige Manko ist, dass die Feinmotorik zu wünschen übrig lässt. Aber diesen Nachteil nehme ich gerne in Kauf.

Überhandschuhe von VAUDE

Überhandschuhe von VAUDE

Übrigens kann man solche Überhandschuhe auch gut zu Nikolaus verschenken. Sie machen sich gut als praktische Umverpackung für Süßigkeiten, Nüsse und Mandarinen.

Helmmuffel

Ein Schild sagt mehr als tausend Worte:

Helmmuffel

Helm oder nicht Helm, das ist die Frage

Die Helmfrage spaltet die wachsende Gemeinde der Radfahrer. Die Befürworter sagen, dass er effektiv vor Kopfverletzungen schützt, Helmgegner weisen darauf hin, dass ein Helm allein auch keine Wunder vollbringen kann. Es werden Statistiken zitiert, auf Zahlen verwiesen, eigene Erfahrungen als Beleg geliefert. Man kann stundenlang vortrefflich über das Für und Wider diskutieren und wird aber auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Ich fürchte, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er sich mit oder ohne Helm aufs Rad schwingen möchte. Der Gesetzgeber nimmt uns diese Entscheidung nicht ab. Eine Helmpflicht gibt es nicht, und das ist auch gut so.

 

Ist euer Rad schon winterfest?

Sturmtief Jürgen ist im Anmarsch und spätestens am kommenden Wochenende ist es vorbei mit Lustig. In Karlsruhe hatten wir in den letzten Tagen Frühlingstemperaturen. Selbst morgens um 6 Uhr konnte man locker in kurzer Hose fahren. Doch damit ist es jetzt vorbei. Laut Wettervorhersage gibt es einen Temperatursturz und es wird frostig. Ich habe vorgesorgt und vorsichtshalber bei meinem „alten“ Rad die Spikereifen aufgezogen Gott sei Dank besitze ich nicht nur ein Fahrrad. So kann ich im Winter immer sofort auf die jeweilige Wetterlage reagieren.

Spikereifen

Spikereifen

 

Hätte hätte Fahrradkette

Hätte ich die Luftpumpe und einen Ersatzschlauch dabei gehabt, hätte ich das Rad mit dem Plattfuß nicht nach Hause schieben müssen. Hätte ich die Akkus meiner Fahrradlampe aufgeladen, hätte ich nicht im Dunkeln fahren müssen. Hätte ich die Kette geschmiert, hätte sie nicht so Geräusche gemacht.

Hätte hätte Fahrradkette oder was wäre gewesen, wenn! Wieso werden wir eigentlich immer erst hinterher schlau? Und das auch nur eine gewissen Zeit lang. Wenn die Erinnerung an den Plattfuß, die nicht funktionierende Beleuchtung oder die quietschende Kette wieder ein wenig verblasst ist, machen wir häufig den gleichen blöden Fehler wieder. Meist weil wir zu träge, zu vergesslich oder zu beschäftigt sind mit Dingen, die gerade viel wichtiger sind.

Dabei sind doch gerade diese kleinen Dinge – Schlauch, Akkus, Luftpumpe, Werkzeug – so einfach verstaut und am Rad befestigt. Es gibt kleine Werkzeugtaschen, die man am Sattel, im Flaschenhalter oder auch an der Sattelstütze befestigen kann.

Telefonieren kann teuer werden

Es gibt eine neue Umfrage zum Thema Handy-/Smartphonebenutzung von Radfahrern. Es sollte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben, dass man auch auf dem Fahrrad nicht ohne Freisprecheinrichtung telefonieren darf. Bestenfalls riskiert man ein Bußgeld (25 €), schlimmstenfalls seine Gesundheit, weil man dermaßen abgelenkt ist, dass man sich auf die Nase legt.

Es wurden 1017 Radfahrer zum Thema Handynutzung befragt. 47 % aller Befragten gab an, während der Fahrt regelmäßig Funktionen des Smartphones zu nutzen. 54 % nimmt unterwegs Gespräche entgegen, ohne abzusteigen. Sage und schreibe 36 % lesen und schreiben sogar während der Fahrt Kurznachrichten. Mal abgesehen davon, dass ich zum Schreiben einer SMS oder WhatsApp Nachricht eine Lesebrille aufsetzen müsste, wäre mir das freihändig Fahren schon allein zu gefährlich. Das kostet übrigens 5 € Bußgeld extra, falls ihr in flagranti erwischt werdet. 32 % der Befragten surft im Internet. In der Regel (27 %) um sich per GPS navigieren zu lassen, aber auch um zu schauen, ob es was Neues auf Facebook, Twitter oder sonstigen Plattformen (24 %) gibt.

Nur knapp ein Viertel der befragten Radfahrer wusste nicht, dass das Telefonieren während der Fahrt auch auf dem Rad verboten ist. Die Mehrheit riskiert ganz bewusst ein Bußgeld oder Schlimmeres in der vollen Überzeugung, dass das Telefonieren ihre Konzentration nicht beeinträchtig. Komisch nur, dass fast ein Drittel der befragten Radfahrer angab, dass telefonierende Fußgänger andere Verkehrsteilnehmber behindern würden. Das ist doch mal ein klarer Fall von mit „zweierlei Maß gemessen“.

Getreu dem Motto „Nur Domestiken müssen immer erreichbar sein“, ist mein Smartphone unterwegs auf Stumm geschaltet und im Rucksack verstaut. So dringend kann ein Anruf gar nicht sein, dass ich dafür meine Gesundheit oder die anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel setzen würde.

Radfahrer leben gefährlich

Radfahrer leben gefährlich

So ein Schild direkt neben einem markierten Radweg, da fühlt man sich als Radfahrer doch gleich sicherer ;).

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